Bikepacking auf dem 66 Seen Weg rund um Berlin - Meine Abrechnung mit Sand und Wurzeln


Sand und Wurzeln - war da nicht schon mal was? Richtig! Auf meiner Suche nach Gravel im letzten Jahr hatte ich bei der Tourenplanung den E11 Fernwanderweg für meinen Graveller absolut unterschätzt und derbe mit Sand und Wurzeln zu kämpfen. Schon hach kurzer Zeit stellte sich heraus, daß diese Wegebeschaffenheit mit einem Starrbike und schmalen Gravelreifen quasi unfahrbar ist. Für mich zumindest!

Dieser Tatsache mußte ich leider ins Auge schauen und für den restlichen Tourenverlauf auf spontan alternative Routen zurück greifen. Trotzdem rumorte es die Zeit danach immer wieder in mir. Wenn nicht mit den vglw. schmalen Pneus des Graveller, dann sollte es doch mit breiteren Reifen und Vollfederung machbar sein, die sandigen Wurzeltrails in Brandenburg unter die Stollen zu nehmen und quasi zu bezwingen.

Das Ganze brauchte etwas Zeit um zum reifen. Knapp ein Jahr später fiel Mitte Juni für mich dann die Entscheidung die Bags an mein Fully zu schnallen und mir die Gegend nochmal vorzunehmen. Quasi eine Rechnung begleichen...

Dafür habe ich mir ganz unkompliziert den Berlin umrundenden 66 Seen Wanderweg ausgesucht und 5 entspannte Tage dafür Zeit gegeben. Daß es sich hierbei grundsätzlich um einen Wanderweg handelt, war mir völlig bewußt. Anderer seits wird der Weg auch als fahrbar bewertet, aber das mußte ich wohl oder übel herausfinden. Ein hartes Stück Arbeit also mit Schiebepassagen, Schweiß und vielen Mücken sollte es so oder so werden, aber ich hatte ja eine Mission. Der Start war wieder wieder in Potsdam geplant. Mit dem Einstieg auf dem E11 sollte meine Berlin Umrundung beginnen. Bei der Routenwahl vor Ort wollte ich mich  je nach Befahrbarkeit und Verfassung zwischen Wander -und Radroute entscheiden. Nach mal wieder einem ausgefallenen Zug der DB kam ich erst gegen Mittag in Potsdam an und habe mich ohne groß Zeit zu vertrödeln auf den Weg gemacht. Also los gehts!

Vorab: Diesmal ist der Tourenbericht weniger Text und mehr Foto lastig - viele Fotos!




Bikepacking auf dem 66 Seen Weg rund um Berlin


Tag 1  Potsdam - Egsdorf


Gleiche Stelle wie letztes Jahr, aber anderes Bike
Der Einstieg in die 66 Seen Tour war mir ja bekannt. Erst mal wieder ein paar Kilometer auf dem E11 mit einem Dejavu vom letzten Jahr und nach dem Verlassen des Europaweges ging es in südöstlicher Richtung durchs Nadelgehölz. Die Route schlängelte sich teilweise direkt an Seeufern entlang, an welchen die Mücken nur so auf einen verschwitzten Biker wie mich warteten. Lange stehen bleiben war also nicht und das Mückentötolin hatte ich natürlich vergessen, was mir genau dort mit Nachdruck einfiel. Grrr. Also weiter treten, wobei sich das Fully über die ersten Wurzeltrails schon als deutlich tauglicher zeigte wie der Graveller und ich nicht mehr ganz so sehr durch geschüttelt wurde. Der Sand legte sich trotz der breiteren MTB-Schlappen immer noch garstig bremsend auf den Weg, aber ein besseres Vorankommen war schon deutlich spürbar. Mehr aber auch nicht. Es war trotzdem Arbeit, richtig Arbeit. Ohne treten, kein Vortrieb. Mit einfachem rollen auf solchen Pisten war Essig. Einzig auf den seltenen Schotter -oder Feldwegen ging es auch mal ohne permanentes Treten voran, wenn es denn bergab ging. Die Höhenmeter taten ihr übriges. Ein stetiges auf und ab. Kaum zu glauben. Eine Entspannung für die Muskeln war somit kaum drin und die Temperaturen mit über 30C° taten in den schwülen Waldabschnitten ihr übriges dazu. In diesem Wechsel zog sich dieser Abschnitt nun bis oberhalb von Egsdorf am Teupitzer See, wo ich meine erste Nacht verbrachte.

Gerade aus auf dem E11

Kiefernzapfen als stetige Begleiter


Erste Höhenmeter sammeln


Raus aus dem Wald! 


Am Templiner See die Füße erfrischen


Wasser und Wolken im Dialog


Noch fahrbarer Sandweg


Langer Sandweg


Zugewucherter Weg


Wassernachschub auf dem Friedhof in Stücken


Schloßpark Blankensee


Erste Pause nach 6h mit Kaffee und Kuchen vom Bäcker in Trebbin


Zum Entspannen mal ein Stück auf Asphalt


Farbenspiel zwischen Himmel und Erde


Zurück auf gewohnter Sandpiste


Mühsames Vorankommen im Sand


Motivation ist, wenn man trotzdem lacht :- )


Wassernachschub in den Toiletten einer Badestelle am Wünsdorfer See


Alte Streckenführung? Hier kommt man als Wanderer wesentlich einfacher durch


Paradox! Eine "66 Seen Wanderweg" Bank direkt an der Landstraße


Curry-Kartoffelpüree und Porridge als Nachtisch runden den Tag kulinarisch ab


Sunset
Gegen Abend kam ich am Großen Wünsdorfer See bei einer öffentlichen Badestelle vorbei und hab dort gleich mal meinen Wasservorrat aufgefüllt. Einfacher gehts wohl kaum und ich konnte nun nach nem Plätzchen für die Nacht Ausschau halten. So einen romantischen Platz direkt und mit Blick auf den See habe ich mir gleich mal geschenkt. Darauf hätten die Mücken nur gewartet, aber das wollte ich mir nicht antun. Glücklicher Weise verlief die Route nun wieder durch ein Waldstück Richtung Egsdorf am Teupitzer See. Hier ging es nochmal unerwartet knackig bergan, was mir um mich der Mückenplage zu entledigen mehr als recht war. An einer Lichtung fand ich doch schon nach 21Uhr auf einem bemostem Fleck am Waldrand den perfekten Platz für mein Biwak. Viel Zeit bis zur Dämmerung blieb nicht mehr. Die Biwakroutine mußte quasi im Schnelldurchlauf umgesetzt werden und mit dem Einbrechen der Dunkelheit war auch die Portion Kartoffelpüü und der Porridge Nachtisch fertig - ich aber auch! Mit 94km und vor allem 1530hm hatte ich doch etwas mehr in den Beinen wie geplant. Gerade über die vielen kleinen Anstiege gesammelte n Höhenmeter hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Höhendiagramm der Route hin oder her. Damit hatten auch meine Knie nicht gerechnet und mir das zwickender Weise immer wieder mal signalisiert. Nunja, bin ja keine zwanzig mehr. Gut gefüllt und müde hatte es dann gerade noch für ein wenig Internetzeit und ein paar Notizen des Tages gereicht, bis mich die schweren Augenlieder in die Waagerechte forderten.

Tarptent Stille



Tag 2  Egsdorf - Althangelsberg


Bikepackers Home
Die Nacht verlief in einer Stille, daß ich als hellhöriger Leichtschläfer selbst ohne Ohropax durch schlafen konnte und erst von den Strahlen des Sonnenaufganges geweckt wurde. Gelungener Einstieg würde ich mal sagen. Nach meinem klassischen Frühstück konnte ich gut gelaunt in den Tag starten. Heute sollte es bis nach Althangelsberg in den östlichsten Teil des 66 Seen Weges gehen. Der Weg verlief wieder in großen Teilen durch bewaldetes Gebiet, was selbstredend jede Menge Wurzeln und Sand in sich barg. Lediglich einige wenige Abschnitte auf den klassischen Forstwegen boten mal etwas Entspannung für Körper, Geist und Beine. Teilweise verwandelte sich der Weg in eine große Sandkiste und selbst das Schieben war eine Herausforderung. Hatte die gar nicht mal so flachen Anstiege dazu erwähnt? Oft in Verbindung mit dem Sandkastenfeeling, aber aus dem Alter bin ich ja eigentlich auch raus ;-  ]
Wie so oft dachte ich wieder mal es ginge nicht heftiger, aber weit gefehlt. Nun gut, ich wollte es ja so und eine Mission gilt es zu erfüllen. Gelle. Bei dem Geackere hab ich doch gerne den Waldimbiss "Gulaschkanone" direkt am Weg wahrgenommen und eine ausgedehnte Mittagspause zelebriert. Im Laufe des Nachmittages ergab sich an einer leeren Badestelle am Springsee nun auch mal die Möglichkeit in einen See abzutauchen. Also raus aus den verschwitzten Klamotten und zackig ab ins kühle Nass! Gut runter gekühlt mit neuer Energie ging es wieder aufs Fully und der Weg zog sich weiterhin übers sandige und mit der Wahl zwischen Wander -und Radtrack habe ich mir zum Ausklang des Tages die etwas einfacher zu befahrenden Abschnitte gegönnt. Also nur durch kleine Sandkisten quasi...

Absolute Ruhe am Morgen


 Naan Brot, Salami, Knoppers und nen Kaff - bewährtes Frühstück auf Tour


Entspannter Start in den Tag


Die ersten Kilometer gleich wieder über die Sandpiste


Kurze Pause am Tornower See


Beruhigender Blick übers Wasser


Den Weg im Fokus


Königskerzen als stimmige Wegesäumung


Weicher Waldboden und Kiefernzapfen


Schiebepassage


Die Wolken wieder zum greifen nahe an einer der wenigen Lichtungen


Schiebepassage extrem aka großer Sandkasten!


Seltene, aber angenehme Abwechslung auf Gravelpisten zu rollen


Wegeführung entlang des Feldrandes 


Kleine Pause im Schatten


Linsensuppe mit Bockwurst und eiskalter Cola. Mahlzeit!


Mittagspause im Waldimbiss "Gulaschkanone" am Neuendorfer See


Ein Stück auf Asphalt gefällig? Gerne doch!


Wieder rein ins Vergnügen mit kleinen Anstiegen


Abkühlung im kühlen Nass - Badepause am Springsee


Wegeführung über Asphaltradweg durchs Gehölz


Hinter Karlslust durch kanarische anmutende Vegetation


Zurück in vertrauter Vegetation und kurzem "Speed" Abschnitt


Wassernachschub auf dem Friedhof Althangelsberg


Gravel!


Nachtisch fast ohne Mücken im Biwak
Heute wollte ich mein Biwak etwas früher einrichten um den Abend in der Natur mit wohliger Sonnenuntergangsstimmung ausgiebiger genießen zu können. Halb Acht - Punktlandung! Paßender hätte sich zu dem Zeitpunkt der Friedhof in Althangelsberg direkt an der Strecke nicht auf tuen können. Wohlschmeckendes, eiskaltes Wasser für die erste Erfrischung und der Rest zur Sicherung des Wasserbedarfes für die Nacht. Perfekt.
Nach einem ehr langweiligen, aber zur Abwechslung mal leicht zu tretenden Forstwegabschnitt, war es nicht mehr weit bis zum nächsten Ort und ich verließ bergan die Route. In der Hoffnung den Mücken zu entfliehen und ein leicht luftiges Plätzchen weiter bergauf zu finden, stand ich plötzlich am Rande einer Gastrasse mit Weitblick dieser bergan folgend. Keine Zwei Kilometer weiter oben bot sich ein ebenes Stückchen wieder mitten im moosigen Untergrund an und ein leichtes Lüftchen wehte auch. Kaum zu glauben, mal wieder der Nase nach offenbaren sich die feinsten Plätzchen. Diesmal kam ich tatsächlich schon kurz nach Acht an und konnte mich entspannt einrichten, eine gepflegte Bikepacker Dusche nehmen und nach einer Portion Mama Handi Rice bei einem Schlemmer-Pause Pudding den epischen Sonnenuntergang genießen. So empfand ich es zumindest in diesem Moment. Hier "oben" war es absolut still, niemand außer mir weit und breit und das Düdellidüü hatte auch kein Netz. So kam ich erst gar nicht in Versuchung, die wertvolle Zeit an dieser wunderbaren Location, mit Email & Co zu verbringen, zuckte nur noch den Bleistift für ein paar Aufzeichnungen vom Tag und genoß den Abend mit einem für mich glücksseligem Sonnenuntergang.
Trotz des sehr anstrengenden Tages mit 101,4km und 1505hm ein äußerst harmonischer Ausklang. So zufrieden den Tag zu beenden zu dürfen, gehört zu meinen absoluten Highlights und dafür bin ich sehr dankbar!

Episch? Durchaus!




Tag 3  Althangelsberg - Lanke


Guten Morgen!
Erneut verbrachte ich eine ruhige Nacht. Wenn man mal von den Flugzeugen und deren offensichtlich östlichen Einflugschneise zum Berliner Flughafen ab sieht. Mit dem Nachtflugverbot ab 23Uhr wurde es dann wirklich sehr still, aber die ersten Flieger holten mich gegen halb Sieben am Morgen doch aus dem Schlaf. Es war mit deutlich unter 10C° ziemlich frisch. Die Sonne stand noch tief hinter den Bäumen und ich war froh, meine Isojacke doch eingepackt zu haben. Die Beine können hier schon mehr ab - ne lange Hose hatte ich sowieso nicht dabei. Ist doch Sommer, oder wie? Nunja, nach meinem üblichen und ausgedehnten Frühstück ging es ans verpacken des Getüdels und gegen halb Zehn war ich startbereit.
Heutiges Ziel war die ehemalige DDR-Staatsoberaupts Residenz Wandlitz nördlich von Berlin. Das entspräche in etwa der gleichen Streckenlänge, wie am Tag zuvor. Wahrscheinlich noch etwas länger. Ob ich soweit kommen würde, hielt ich ehr für unwahrscheinlich, aber irgend ein Ziel muß man ja haben.

Frühstück mit geröstetem Naan Brot


Wieder unterwegs - Blick entlang der Gastrasse


Feuchtbiotop im Locknitztal


Singletrail 


Liese sich gut fahren, aber die Kiefernzapfen versetzen die Räder ständig


Typischer Wurzeltrail am Seeufer


Fluffige Singletrails entlang des Locknitztalweg


Zweites Frühstück am Kalksee mit Kaff und Kuchen vom Bäcker in Woltersdorf


Knackig berghoch


Knackig bergab


Singletrail


Mahlzeit! Kartoffelpüü und Porridge als Nachtisch - Mittag am Mittelsee


Angenehm schattig - der sandige Boden kostet aber Körner


Langer See - Pumpengebäude


Und wieder hoch


Abwechslung nicht nur fürs Auge


Feldsichten


Sand = Arbeit!


Urig - ein Paradies für Mücken


Auf Biwak Suche über verwucherte Trails 
Der Routenverlauf zog sich fast ausschließlich durch bewaldetes Gebiet. Mehr Wald wie die Tage zuvor; deutlich mehr. Zur Abwechslung mal weniger tiefer Sandboden, aber Wurzeltrails umso mehr und knackige Anstiege ja sowieso. Hatte ich mich am dritten Tag etwa schon daran gewöhnt und womöglich noch damit arrangiert...einfach mal durch den Wald "rollen" war auch heute nicht. Wanderweg eben. Ausnahme bildete hier ein Kilometer langer und perfekt zu flowender Singletrail durch und über den Löcknitztalweg. Gleich ein paar Kilometer nach dem Start konnte ich kaum besser in den Tag kommen. Kaum Sand, wenig verwurzelte Abschnitte mit fluffigen Trailverlauf immer entlang der Alten Löcknitz. Längere Pausen - also über 10sec ;- ) - sollte man sich allerdings ersparen. Die Mücken waren dort äußerst zahlreich vorhanden und extrem garstig!
Es ging immer wieder an den Hochufern der Seen vorbei, aber meißtens von vielen Bäumen gesäumt. Blicke aufs flächige Wasser waren ehr selten und die Lichtungsquerungen boten ebenfalls kaum Weitblicke. Ein Tag im Wald quasi. Zum einen waren die Temperaturen so wesentlich erträglicher, wie unter der mit gut 35C° brennnenden Sonne, aber eben auch langweilig und kaum was füs Auge.
Gegen Abend nahm ich ortsauswärts von Biesenthal ein typisches Fußballplatz Getöne wahr. Es war schon wieder kurz vor Acht und kurzum habe ich die Gelegenheit mit einem Abstecher dort hin gleich mal genutzt, um meine Wasservorräte für die Übernachtung aufzufüllen. Fragen kostet ja nüscht, womit ich bisher auch immer gut gefahren bin. So wurde ich beim Einrollen zum Vereinsheim mit meinem ganzen Geraffel erst mal neugierig beeugt, aber mir auf Nachfrage und völlig selbstverständlich der Wasserhahn vom Tresen zur Verfügung gestellt. Über mein Vorhaben, was ich alles so ans Bike gebunden habe und wo es denn noch hin gehen soll, hat sich noch eine nette Konversation ergeben und ich verließ zufrieden gut gelaunt den "Bolzplatz".
Nun konnte ich entspannt auf Biwak Suche gehen, was sich als nicht sonderlich einfach heraus stellte. Da ich mich noch in Seenähe und inmitten von Feuchtbiotopen bewegte, fiel ein Übernachtungsplatz allein schon wegen der Vielzahl von Mücken dort aus. Gut Wasser bepackt also erst mal wieder berghoch, aber guten Gewissens. Leider hatte sich nicht wirklich eine akzeptable Gelegenheit für mein Tarptent ergeben wollen und die Zeit verging wie im Flug. Nach halb Neun habe ich dann kurz vor Lanke, einem Ortsteil von Wandlitz, ein Plätzchen am Waldrand für gut befunden. Mit gerade mal 200m nahe einer Landstraße gelegen nicht wirklich optimal, aber immer noch ruhig genug um mit Ohropax ausreichend schlafen zu können. Routiniert War alles aufgebaut, der gepflegte Bikepacker wieder sauber und fertig für eine Belohnungsmahlzeit am Abend! Diese erfolgte ehr unfreiwillig mit nur kurz geöffnetem Moskitonetz aus dem Tarptent heraus, da die Mücken hier oben zwar nicht mehr so zahlreich am Start, aber trotzdem beharrlich anwesend waren.
Zufrieden aber auch ziemlich kaputt hab ich nochmal den Bleistift für die Tagesaufzeichnungen gezückt, die Mails gecheckt und war dann echt durch für den Tag. Letztendlich bin ich meinem Tagesziel Wandlitz mit 109km und 1489Hm dann doch recht nahe gekommen, war aber auch ganz schön durch und dementsprechend schnell in der Waagerechten.

Kompromißplatz am Waldrand



Tag 4  Lanke - Potsdam


Der Tag erwacht
Bis auf den leicht abschüßigen Boden war der Platz gar nicht so schlecht. Dank Ohropax schlief ich ganz gut, aber die ersten lauteren LKW Geräusche ließen mich dann doch trotz Dämpfung gegen Sieben auch den Penntüte krabbeln. Gleich am Morgen schon direkt im Tarptent von der aufgehenden Sonne gebruzzelt zu werden mag ich überhaupt nicht und so erwieß sich der Kompromißplatz am Abend, am Morgen für mich als sehr angenehm. Das östlich gelegene Waldstück bot mir Schutz vor der aufgehend brennenden Sonne am Morgen. Und so war es hinter den Bäumen noch recht frisch, aber mit Isojacke weider angenehm. So kann ein Morgen beginnen. Allerdings nicht ohne Naan Brot oder Brötchen, die ich am Vortag vergessen habe beim Bäcker zu kaufen. Also gab es nur ein Stück Salami und Knoppers mit Käffchen zum munter werden. Bis Wandlitz war es ja nur noch ein Katzensprung und das zweite Frühstück stand dort somit fest!
Trotz Straßennähe war es a.G. des drehenden Windes erstaunlich ruhig und die Mücken quasi auch nicht existent. Naja fast. Zeit genug um diesen angenehmen Morgen mit nen Kaff in der Hand ausgiebig zu zelebrieren. Trotzdem hatte ich schon vor Neun alles zusammen gepackt und war startklar, was für meine Verhältnisse eine gute Zeit ist.
Bis Potsdam waren es nur noch ca. 100km und an einem Tag natürlich zu schaffen. Bedeutete aber auch, daß ich eigentlich schneller war wie geplant war. Daher wollte ich den Tag auf mich zu kommen lassen und unterwegs entscheiden, ob ich noch eine Nacht dran hänge oder durch fahren werde. Der Blick auf die Karte zeigte im östlichen Teil wenig Wald und großteils Felderein. Quasi das Gegenteil der gestrigen Flora und Fauna. Bei bestem Wetter ging es also erst mal Richtung Wandlitz, aber das sich der Tag etwas anders gestaltete hatte ich so auch nicht erwartet...

Kaffee & gute Laune


Wandlitzer See


Beruhigende Stille


Wurzeltrails am Wandlitzer See


Einfahrt nach Wandlitz


Mondäne Willen am Wandlitzer See


Zweites Frühstück beim Bäcker in Wandlitz


Kleine Sandvermeidungsabkürzung über Landstraße - (K)EIN RADWEG!? Auf dieser Straße...


Grün in Grün


An der Brise entlang durch Birkenwerder


Gulasch & Nudeln vom Markt - Mittag im Stadtpark von Henningsdorf


Melone als Nachtisch - Erfrischung pur!


Zunehmend schwüles Klima - deutliche Anzeichen für das nahende Unwetter


Entlang des Havelkanales


Der Himmel zieht sich zu


Havelkanal - erste Ausläufer des nahenden Unwetters


Geteilter Himmel


Havelbrücke am Ortsausgang von Brieselang


Das Unwetter war binnen Minuten angekommen - die Autobahnbrücke als "Rettung"


Das Unwetter ziehen lassen, aber Aufklarung war in Sicht


Im Nieselregen über nun verschlammte Feldwege Richtung Potsdam


Gerade noch staubtrocken und nun eine einzige Schlammpiste


Kühle, windige und feuchte Nachwehen des Unwetters
Wie geplant gab es in Wandlitz ein zweites Frühstück beim Bäcker, wovor ich erst den stark Wurzel überzogenen Ufertrail am schönen Wandlitzsee wuppen mußte. Die elitäre Vergangenheit dieser Gegend aus DDR Zeiten spiegelte sich anhand der Seengrundstücke mit deren aufgereihten und sich gegenseitig übertrumpfenden Villen nunmehr fast schon mondän wieder. Natürlich schön anzuschauen, aber nach der Zeit auf den Trails durch die Wälder fast schon ein wenig erschlagend. Gut gestärkt ging es erst mal weiter wie gewohnt durch bewaldetes Gebiet. Richtung Henningsdorf wurden diese Abschnitte zunehmend weniger und der Blick in die Ferne war zur Abwechslung durchaus angenehm. Die Sonne brannte leider auch vom Himmel und die Temperaturen stiegen in Windstille mit drückend schwüler Luft. Beim durchfahren von Henningsdorf hab ich fix die Gelegenheit genutzt, mir auf dem Markt ne ordentliche Mahlzeit Hausgemachtes und etwas Obst zur Erfrischung zu gönnen. Hier murmelte die Dame am Stand ein wenig vor sich hin, ob sie besser jetzt schon alles zusammen packen solle, bevor sie vom Unwetter überrascht würde. Na klar, das Klima deutete auch ganz klar darauf hin, auch wenn die Sonne noch ordentlich ins Gelände brannte. Über das Wetter hatte ich mir die wenigsten Sorgen gemacht und mit Regen erst zwei Tage später gerechnet. So der Wetterbericht zumindest vor dem Start der Tour. Nach der Mittagspause im Stadtpark hab ich dann doch mal den Regenradar auf dem Düdellidüü bemüht. Das Regentief zog sich fast über die gesamte Breite des Landes, aber vor allem Richtung Süden! Nebenher waren schon die ersten Posts vom Unwetter über Hamburg online und ich hatte lt. Radar kaum noch zwei Stunden bis zum Wetterumschwung. Richtung Brieselang zog sich der Himmel immer mehr zu und es begann zu nieseln. Unterlegt von zunehmenden Wind, welcher nun auf dem Trail über freie Feldflächen selbstverständlich von vorn kam und wieder ordentlich Arbeit auf den Pedalen angesagt war. Beim verlassen von Brieselang ging plötzlich alles ganz schnell. Orkanartiger Wind mit Hagel vom Feinsten drückte mich fast von der Straße und mit einer kurzen aber heftigen Dusche habe ich es gerade noch so unter eine Autobahnbrücke geschafft. Uff. In letzter Sekunde quasi und wieder mal ne Punktlandung. In der nächsten Stunde ging das Unwetter über mir runter. Vor Nässe war ich weitestgehend geschützt, aber der stürmische Sog unter der Brücke ließ mich leicht durchnäßt ziemlich schnell auskühlen. Meine Isojacke hat in dieser Situation wieder mal für die nötige Wärme und mich womöglich auch vor einer Erkältung geschützt. Nachdem es etwas aufklarte und es nur noch nieselte, beschloß ich die letzten 30km bis bis Potsdam durchzudrücken und die Runde um Berlin heute schon zu schließen. Ziemlich schnell hatten sich die gerade noch Staub trockenen Feldwege des 66 Seen Weges in klebrige Schlammpisten verwandelt. Einige Kilometer hab ich noch dagegen angekämpft, bin aber die letzten Kilometer bis nach Potsdam auf Asphalt ausgewichen, was ich in dieser Situation als durchaus angenehm empfand :-  )

Abschluß der Tour mit Baustelle und Sperrung des Fußweges am Bahndamm Templin ;-  (


Unterm Strich


Meine "Abrechnung" war natürlich nicht ganz ernst gemeint und mit einem Augenzwinkern belächelt. Vielmehr interessierte es mich, wie ich mit den breiteren Reifen des Mountainbikes, im Vergleich zu den schmaleren Schlappen meines Gravelleres, auf Sand und Wurzeln zurechtkommen würde. Erfahrungen auf solchem Untergrund habe ich mit dem Fully tatsächlich kaum. Einzig mit dem Reiserad und fett bepackten Panniers bin ich vor vielen Jahren mal auf Rügen im Sand versunken, aber das ist ja kein Vergleich.

Da ich mir einen Wanderweg ausgesucht habe, möchte ich auch gar nicht die zermürbenden Wurzelteppiche und teilweise knöcheltiefen Sandpisten monieren. Das war mir vorher klar, aber selbst für Wanderer ist dieser Untergrund schon sehr fordernd. So stand ich nicht selten fluchend und ziemlich kaputt wieder mal vor einem Anstieg im Sand. Im Wald ist der Weg meißtens sandiger verwurzelt und auf den schmalen Wegen direkt an den Seen war es meißt ein böses Gepoltere über Kilometerlange Wurzelpassagen. Ein gleichmäßiger Tritt war auf solchen Abschnitten kaum möglich, ich mußte oft aus dem Sattel gehen und aktiv das Fully bewegen. Für Mountainbiker sind die langweiligen Abschnitte auf den Forstautobahnen zum gähnen, aber mir kamen diese zur Abwechslung und nach dem Geackere sehr gelegen.

Mit dem Mountainbike aka Fully ist der 66 Seen Wanderweg schon irgendwie zu bewältigen, aber dabei fordert die Wegebeschaffenheit jeden Muskel des Körpers. Mit der An -und Abfahrt vom HBF Potsdam bis zum Weg waren es 413km und erstaunliche 5905hm! Der Topographie hatte ehrlich gesagt kaum Beachtung geschenkt und die Gegend ehr als relativ flach abgehakt. Stimmt schon, denn über 150m Höhe kommt man kaum, aber das häufige auf und ab bringt schnell und gar nicht mal wenig Höhenmeter zusammen.

Spaß macht das nicht immer, wenn man dazu nicht richtig vom Fleck kommt und sich auf langen Sandpisten mit jedem Tritt voran kämpfen muß. Ich wollte es halt wissen und hab diese Erfahrungen auf der Strecke gemacht, hatte aber auch jede Menge schöne Momente über die Tage. Die Abende an den Übernachtungsplätzen haben jeden Tag trotz Mücken immer wieder harmonisch und entspannt ausklingen lassen. Das das Geiere durch Sand und poltern über Wurzeln nichts für mich ist, stand ja schon vorher fest. Ich wollte es halt noch mal mit meinem Fully wissen und habe nebenher dann doch irgendwie eine Rechnung beglichen ;-  )


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