ARA Brevet Sachsen - Meine Langstreckenerfahrungen beim 200er Bennewitz


Es gibt immer ein erstes Mal! So auch bei meinem 200 Kilometer Einsteiger-Brevet mit Start in Bennewitz. Aber warum Bennewitz? Ich habe einfach nach dem nächst gelegen Brevet von Erfurt aus gesucht und bin bei Bennewitz gelandet. Natürlich habe ich mir vor, während und nach der Anmeldung zu dieser Veranstaltung für Kilometer süchtige Radjunkies die Frage gestellt, warum ich so etwas etwas machen möchte. Ansich habe ich mir die Frage schon selbst beantwortet - weil ich es möchte um meine Grenzen auszuloten und nebenher die Langstreckentauglichkeit meines just fertig aufgebauten Salsa Vaya Gravelbike zu testen. Ob das alles so funktioniert hat, wie ich es mir vorgestellt hatte, erfährst du nun in diesem Artikel. Aber eins nach dem anderen...



 

Der Vortag


Der Brevet Termin stand für den 09.04.2016 und 08:30Uhr sollte dieser in Bennewitz starten. Mein Salsa Vaya hatte bisher nicht einmal 300km runter, aber nach diversen Modifikationen und Anpassung der Sitzposition, befand ich es als einsatzbereit für den Brevet. Am Vorabend habe ich nochmal alles durch gecheckt, den Luftdruck geprüft und etwas Kettenwachs aufgetragen. Läuft!


Schnell waren die Laufräder ausgebaut und das Bike im kleinen Polo mit umgeklappten Rücksitzen verstaut. Ich war wirklich erstaunt, wie unproblematisch ein Rad mit Rennlenker in den kleinen Wolfsburger paßt - war ich doch bisher nur MTB's mit deutlich breiteren Lenkern und Reifen gewöhnt. Gut so. Die Ganze Aktion war in ein paar Minuten erledigt und ich konnte nun mit den weiteren Vorbereitungen fortfahren.

Da ich nicht einschätzen konnte, wie ich mich nach dem Brevet fühlen werde und ob ich am Abend mit dem Auto nach Hause fahren kann oder möchte, habe ich zur Sicherheit mein Übernachtungsset eingepackt, um irgendwo außerorts am Waldrand mein Zelt aufschlagen zu können.


Genau, Essen! Da ich nun überhaupt keine Ahnung hatte, wie die Verpflegung unterwegs geregelt wird, hatte ich mir zur Sicherheit ein paar Brötchen geschmiert und etwas Paprika geschnippelt. Das ist meistens meine Touren-Grundverpflegung. Schmeckt gut und macht mich satt. Banane geht immer. Ein paar Magnesiumsticks und Gels hatte ich zur Sicherheit noch bei gelegt, falls ich konditionell an meine Grenzen kommen sollte. Diese kamen mit ein paar Riegeln in die Oberrohrtasche. Diese "Heimbringer" gaben mir zumindest eine gewisse Sicherheit, da mich ein Gel das ein oder andere Mal beim Marathon oder Radrennen ins Ziel gebracht haben. In den kleinen Rucksack kam das Werkzeug, ein Ersatzschlauch, ein paar persönliche Dinge und das Trinksystem. Der Wetterbericht sah für den Tag keinen Regen vor, also stand auch meine bewährte Windstopper-Kombi fest. Schuhe und Helm waren nur noch obligatorisch. Das GPS mit geladenen "Spargelland"-Track und eine Karte der Region, der Tacho, die Kamera und natürlich das Roadbook mit Kartenausdrucken der Strecke lagen bereit. Ok, nur noch schnell schlafen und es konnte los gehen :-  )


Die Anfahrt



Die Fahrzeit von Erfurt aus sollte lt. Navi 1,38h betragen. Kurz nach vier beendete nach einer unruhigen Nacht - gemütliches Frühstück mußte unbedingt noch sein - der Wecker. Gut gestärkt ging es mit dem bereit gelegtem Zeug zum Auto und gegen sechs war ich dann auch schon auf der Autobahn. Während der Fahrt bin ich noch mal alle Vorbereitungen durch gegangen und habe leider feststellen müßen, daß ich meine sorgfältig geschmierten Brötchen im Kühlschrank vergessen habe. Naja, was solls - unterwegs kommt ja sicher noch nen Bäcker. Ankunftszeit ca. 07:30Uhr in Bennewitz lt. Navi - alles in grünen Bereich! Die Sonne kündigte sich langsam an und es schien, ein schöner Tag zu werden. In Bennewitz habe ich mir dann noch ein paar Kürbiskern und Käsebrötchen geholt. Eine extra Knackwurst hatte ich ja noch für meine event. Übernachtung im Futterbeutel. Somit war die Verpflegung für Unterwegs erst mal gesichert.
Pünktlich gegen halb acht bin ich am Sportplatz Blau-Weiß Bennewitz aufgeschlagen und war einer der Ersten. Es standen nur zwei Fahrzeuge da, aber aus diesen wurden schon fleißig die Langsteckenbomber operiert. Sofort bin ich mit einem PBP-Finisher ins Gespräch gekommen und habe in kurzer Zeit ne Menge Infos erhalten. Nachdem ich frug, "wie es denn vor dem Start ablaufen und ob denn noch viele Teilnehmer kommen würden", entgegnete er mir ganz entspannt "ist doch noch jeeede Menge Zeit" - diese Einstellung war mir schon mal grundsätzlich sympathisch. Also ging es erst mal zum Vereinsgelände, die Location und Stimmung checken. Offensichtlich waren einige Randonneure direkt mit dem Bike angereist, denn davon standen schon einige vor dem Eingang. Als ich die Turnhalle betrat, saßen diese schon dort bei Kaffee und Kuchen zum entspannten Plausch. Freundlich wurde ich mit Kopfnicken oder einem einfachen "Hallo" begrüßt. Kein Anschein von Hektik - alles total entspannt. Nachdem ich die angenehme Atmosphäre ein wenig auf mich wirken ließ und völlig ungezwungen weitere in interessante Gespräche mit erfahrenen Jungs der Szene verfiel, vergaß ich ein wenig die Zeit. Es war nun schon kurz vor acht und in einer halben Stunde sollte es los gehen. Uff. Also nun wurde doch etwas knapper mit der Zeit und ich meldete mich fix bei Olaf (dem Veranstalter des Brevet) an und bekam meine Startunterlagen mit der Stempelkarte. Hier hatte ich die Wahl, mich in die erste oder zweite Gruppe einzutragen. Ohne große Überlegungen habe ich mich in die erste Gruppe eingetragen, da dort schon die meißten Einträge vorhanden waren. Ist doch egal, in welcher Gruppe ich fahre, dachte ich mir so...

Da sich der Fußballplatz quasi als perfekter Untergrund für eine Übernachtung mit mein Zelt anbot - natürlich irgendwo am Rand - erkundigte ich mich gleich gleich nach dieser Option bei ihm. Da das Gebäude nur für diese Event gemietet wurde und es die Fußballer wohl nicht so gerne sehen würden, wenn ein Zelt auf dem heiligen Grün steht, bot er mir aber gleicher maßen die Übernachtung in der Turnhalle an. Ich war wirklich beeindruckt, wie mir völlig unkompliziert und selbstverständlich Hilfe angeboten wurde. Ok, das war dann geklärt, aber nun mußte ich wirklich mich wirklich etwas ran halten. Umgezogen war ich noch nicht und das Rad war ja auch noch im Auto. 

Bei der am Ende doch etwas zu kurz geratenen Zeit vor dem Start, vergaß ich komplett, Fotos von der angenehmen Stimmung im Vereinsgebäude zu machen. Irgendwie wurde es dann doch etwas hektisch - zumindest für mich, hatte ich das Gefühl...


Das Salsa Vaya war schnell zusammengesteckt, der Rucksack restbestückt und der Helm aufgesetzt. Es konnte also los gehen. 


Der Parkplatz hatte sich währenddessen gut gefüllt, die verschiedensten Räder in ihren individuellen Langstreckenkonfigurationen wurden fleißig ausgepackt und Brevet bereit gemacht. Hier wurde sich auch wieder freundlich begrüßt. Die Wiederholungstäter sinnierten über vergangene und zukünftige Brevet's. Auch hier habe ich wieder ein paar angenehme und informative Gespräche geführt, aber nun wurde die Zeit bis zum Start wirklich knapp.


Nach einem Schnelldurchgang meiner Startvorbereitungen, stand ich nun 10min vor Startbeginn - fast startbereit - vor dem mittlerer Weile gut Randonneurs -und Rennrad bestücktem Vereinsgebäude. 


Insgesamt waren ca. 50 Starter für das Brevet gemeldet. Olaf informierte kurz vor dem Start noch mal über die Verhaltensweisen und gab einige Infos zu der Strecke und den Kontrollpunkten. Kurz danach gingen die Starter der ersten Gruppe zu ihrem Rädern und rollten zu einem losem Starterbündel zusammen. Völlig ungezwungen und ohne irgendwelche Formatvorgaben, wie ich es von diversen MTB-Radmarathons kannte. Es ging also gleich los. Schnell bin ich zu meinem Salsa, hab das GPS und den Tacho noch mal auf Null gestellt und ein paar Fotos gemacht. Alles ziemlich kurz vor knapp!


Das Brevet




Ich wußte nicht, wie es bei einem Brevet am Start so ablaufen würde, aber offensichtlich alles in Eigenregie. Ja, und plötzlich rief eine Stimme aus dem Pulk "Wollen wir los?" - eine andere Stimme erwiderte "...bei mir isses 31..." was mit einem "OK" bestätigt wurde und die Randonneurs-Meute rollte los. Das war also der Start. Sehr cool!


Gerade so habe ich es auf mein Rad geschafft und den Anschluß gefunden. Es ging gleich, mit für mich als Mountainbiker ungewohnt hohem Tempo, zur Sache und ich mußte schon ordentlich rein treten, um an der Gruppe zu bleiben.



Vorbei am Sportplatz ging es gleich über die Mulde nach Wurzen. Das Tempo war weiterhin ungewohnt hoch für mich, aber ich konnte bisher mithalten und an den Ampeln im Ort war ich wieder in der Gruppe. Hier wurde entspannt geplaudert und der guten Stimmung konnte ich eine gewisse Freude auf die freie Piste am Ortsausgang entnehmen. Nun vermutete ich auch, daß das Tempo noch mal um einiges angezogen würde. Hmm, viel Zeit darüber nachzudenken blieb nicht und bei grüner Ampel ging es weiter Richtung Ortsausgang.


Hier wurde dann, wie ich es schon vermutet hatte, noch etwas mehr Tempo gemacht und ich hatte schon gut zu tun, an der Gruppe zu bleiben. Immer wieder habe ich mich an das Peloton heran geschraubt, aber das Tempo war mir einfach zu hoch!


Es brachte nichts, das hohe Tempo mit weit über 30kmh mithalten zu wollen. Das konnte ich einfach nicht leisten, was ich mir schnell eingestehen mußte. Letztendlich fährt doch jeder sein eigenes Brevet und ein frühzeitiges überpacen oder übersäuern der Muskeln wollte ich nicht riskieren, da es mein erstes Brevet ist und ich "ankommen" wollte. Nun fuhr ich meinen eigenen Schnitt mit ca. 25kmh, aber suchte noch weiterhin nach meinem Rhythmus. 


In Falkenhain teilte sich die Strecke und es ging nördlich Richtung Torgau. Hier habe ich mir erst mal ein Käsebrötchen und nen Riegel gegönnt. Mein Frühstück zu Hause lag ja nun auch schon einige Stunden zurück.


Es ging gefühlt immer wieder ein wenig bergan und der Wind kam beständig von vorn. Eine leichte und ebenfalls beständige Priese würzigem Silagen-Duftes umnebelte meine Nase. Leider hat sich mein Iliosakralgelenk immer wieder in zunehmendem Maße gemeldet. Zwar hatte ich das Salsa best möglich auf meine Komfortbedürfnisse eingestellt, aber das Fahren mit Rennlenker waren für mich noch ungewohnt, zumal ich bisher gerade mal ~300 Probekilometer ab gespult hatte. 


Bis Torgau änderte sich weder die Topographie der Strecke, noch meine Rückenschmerzen. Die ungewohnte Sitzposition wollte mein Rücken einfach noch nicht akzeptieren. Was solls, ist ja kein Kindergeburtstag und jammern hilft auch nix. Also Zähne zusammen beißen, Sitzposition wechseln und weiter.
 

Im Ortseingang hielt ich nochmal kurz an und warf einen Blick auf das Roadbook. In dem Moment rauschte ein Troß an Randonneuren an mir vorbei und ein Stimme rief "Komm mit..."  - die zweite Gruppe hatte mich eingeholt! Also bin ich fix aufs Rad gesprungen und habe mich angeschloßen. Ein paar Straßen weiter erreichten wir auch schon den ersten Kontrollpunkt bei Kilometer 36 an einer Aral-Tanke. Hier wurde einfach die Kassiererin dazu verdonnert, sämtliche Stempelkarten mit eben einem Stempel und der Uhrzeit zu versehen. Das war es schon. Bei der Betrachtung sämtlicher Räder hab ich mir noch fix nen Riegel rein geschoben. Die Sonne hatte schon gut Kraft und und die lange Hose mußte weichen.


Mein Purpur farbener Stahluntersatz hat sich ganz gut eingegroovt, nur eben mein Rücken noch nicht. Über meinen Abriß von der ersten Gruppe bin ich mit einigen anderen ins Gespräch gekommen. 


Hierbei lud mich Gerd (einer der Mitveranstalter des Brevet) ein, mit seiner Gruppe zu fahren, da sie diesmal nicht so schnell unterwegs sind.


Das Angebot nahm ich gerne an und kurz darauf saßen wir schon wieder auf den Rädern. Torgau lag eben so schnell hinter uns und ich konnte nun den Komfort einer Gruppe genießen. Bei Gegenwind im Windschatten zu fahren, ist schon sehr komfortabel, was ich durchaus genoss. Naja genießen - die Gruppe hat schon wieder ordentlich Dampf gemacht. Konditionell habe ich mich gut gefühlt, aber der stetige Schmerz im ISG ließ einfach keinen kraftvolleren Tritt in die Pedale zu und machte mir wieder Mühe mitzuhalten.


Trotz beständigem Gegenwind zog sich die Gruppe auseinander und die Zugpferde waren schon bald außer Sichtweite. Nur Gerd und Jörg reduzierten ihre Geschwindigkeit und zogen mich in ihrem Windschatten mit.


Nach ein paar interessanten Gesprächen mit Jörg über seinen PBP 2015, mußte ich mich nach einigen Kilometern wieder zurück fallen lassen und gab den Jungs dankend grünes Licht "ihr" Tempo zu fahren und mich zurück zu lassen.

Das Zwicken im Rücken und das Tempo mit nem 28er Schnitt waren mir trotzdem zu hoch und die Wohlfühlposition auf meinem Gravelbike hatte ich einfach noch nicht gefunden. Es war eben totales Neuland für mich auf so einem Bike und die Sitzposition noch nicht optimal. Anderer seits zeigt so eine Tour auch das Optimierungspotenzial auf, was mir nun auch nicht wirklich weiter half ;- (


Jörg zog etwas an, aber Gerd ließ sich trotz meiner Bitte ohne mich weiter zu ziehen, nicht davon abbringen, mir seinen Windschatten völlig selbstlos anzubieten. Völlig unbeeindruckt zog er mit mir im Schlepptau eine Schneiße durch den Gegenwind und brachte mich so dem zweiten Kontrollpunkt immer ein Stückchen näher.


Meinen Rhythmus hatte ich zwar immer noch nicht gefunden, aber die Hilfsbereitschaft von den Jung machten es mir bedeutend einfacher und so kam das Lächeln auch langsam wieder :-  )


Der nächste Kontrollpunkt war also nicht mehr weit. Der Himmel zog sich allerdings wieder zu und die Wolken schoben sich vor die Sonne. Es wurde dann doch wieder etwas frisch mit meiner kurzen Hose. Mittlerer Weile schlug die Route eine östliche Richtung ein und der Wind kam nicht mehr so präsent von vorn. Wenig frequentierte Landstraßen mit entsprechend ländlicher schöner Kulisse und Wald gesäumte Abschnitte boten auch etwas mehr Schutz vor dem nun seitlichen Wind, was ich dankend annahm. Die Hälfte des Brevet war quasi in Aussicht, mit der Hoffnung, daß der Wind nicht dreht und wir beim Richtungswechsel auf dem Rückweg ein wenig Rückenwind genießen können. Wird schon!


Flux waren wir schon an der Total-Tanke in Schönewalde. Der Zweite Kontrollpunkt bei Kilometer 96,5 war erreicht und Jörg trafen wir hier auch wieder. Die Erste und der Großteil der zweiten Gruppe waren bereits schon durch.


Hier verlief alles wieder recht Streß frei. Die Mitarbeiterin am Schalter stempelte beständig und relativ emotionslos die Stempelkarten ab. Ginge mir wahrscheinlich genauso. Schon ein komisches Volk, diese Radfahrer... 

Bei Gesprächen über Material, Touren und das wechselhafte Wetter,  wurden diverse Heißgetränke wie auch die ein oder andere Bockwurst verschlungen. Auch wir hatten uns hier was Warmes gegönnt, da es merklich abgekühlt war. Bei der Gelegenheit hatte ich erst mal schnell meine lange Hose über gezogen. Es war wirklich frisch! Nen lecker Kakao mit frischen Brötchen vom Bäcker und Ungarischer Salami aus dem Rucksack sorgten wieder für ein Grinsen im Gesicht. Danach noch nen Knoppers und die Welt war wieder in Ordnung. 

An der kleinen Tanke war trotzdem Gewusel. Es war ein Kommen und Gehen. Einige verabschiedeten sich bis zum nächsten Kontrollpunkt und ein paar Nachzügler trudelten ein. Wir waren also nicht das Schlußlicht :-  )


Kurz darauf rollten wir mit einer größeren Gruppe aus dem Ort und waren wieder auf der Piste. Bis zum nächsten Kontrollpunkt sollten es gerade mal 19 Kilometer sein.


Halbzeit war angesagt! Langsam bewegten wir uns in Richtung Süden und tatsächlich war nun mehr ein Gleiten ohne ständigem Druck von vorn möglich.



Ich hatte mich wieder an Gerd und Jörg gehangen. Mein Rücken hatte sich wohl mit der Situation abgefunden und meckerte nicht mehr so energisch, wie anfangs.


Nicht mehr mit dem stetigen Schmerz im Rücken und der Suche nach der optimalen Sitzposition, ging es mir nun besser und ich konnte auch mal die Führungsarbeit in der Gruppe übernehmen. Läuft langsam. 



Den dritten Kontrollpunkt an der HEM-Tanke in Schlieben bei Kilometer 115,5 hatten wir nun erreicht. Stempel holen und futtern. Routine. Hier haben wir drei es uns so richtig gut gehen lassen. Kaffee, Cola, Bockwurst und Kuchen haben in einer unfassbar kurzen Zeit den Weg in den Magen gefunden - zumindest in meinen ;-  )
Lediglich kurze Wortwechsel fanden hier mit anderen Brevet'ern statt. Irgendwie waren die meisten nun doch mit sich selbst beschäftigt, hatte ich das Gefühl. Ob es an dem bescheidenen Wetter oder der Bewältigung des "letzten" Stückes des Brevet lag, mag ich nicht zu beurteilen. Irgendwie fährt doch trotz Gruppendynamik jeder sein eigenes Brevet...


Der anschließende Toilettengang sorge für mein inneres Gleichgewicht und ich fühlte mich nun fit für die knappe zweite Hälfte. 


Gut gestärkt waren wir wieder und nun südlich auf sächsischen Landstraßen unterwegs. Es war kein Gegenwind mehr zu spüren und so konnten wir einen Hauch von Rückenwind genießen.


Eine kleine Zwangspause ergab sich kurz darauf an einem Bahnübergang. Schon lustig, was sich die DB bei offensichtlich defekter  Bahnbeschrankung einfallen läßt. Hier wurden die Schranken durch rot-weiße Girlanden ersetzt, welche ein vermutlich hoch qualifizierter Mitarbeiter im Takt des Zugverkehres ein und aushängen muß. Ja muß, denn eine gewisse Lustlosigkeit mit dem Anschein von Lethargie konnte man nicht übersehen, aber dem Kollegen auch nicht verübeln.


Zumindest ein Schmunzeln konnten wir uns nicht verkneifen ;-  ]


Nach der kleinen Pause ging es gut gelaunt weiter. Aus dem üppigem Futters an der Tanke resultierend, spürte ich erstmals richtig Bums in den Beinen und das Zwicken im Rücken war auch nicht mehr so präsent. So habe ich erst mal für einen längeren Abschnitt die Führungsarbeit in der Gruppe übernommen, um den Jungs ein wenig der zuvor geleisteten Arbeit zurück zu geben. Es lief gut!

Der nächste Kontrollpunkt in Mühlberg bei Kilometer 154 war nun auch keine 30 Kilometer mehr weit entfernt. Allerdings handelt es sich hier um einen Kontrollpunkt, welcher frei gewählt werden kann. Egal ob die Quittung von einer Tanke, dem Bäcker, dem Discounter oder ein Selfie mit Bike vom Ortseingangsschild - hier hat man freie Wahl.


Wir haben uns für den Discounter im Ort entschieden. Platz für Kuchen vom Bäcker ist immer und die Wasservorräte mußten auch nachgefüllt werden. Damit hatten wir unseren "Stempel" bzw. die Nachweise in Form von Kassenbelegen. Die Stimmung war gut. Wir scherzten, sinnierten ein wenig über das Langstreckenfahren und freuten uns darauf, gleich wieder für das Letzte Stück der Strecke im Sattel zu sitzen. Es lief nun wirklich gut!



Nun hatte Jörg das Tempo ein wenig angezogen und die Führungsarbeit übernommen. Es waren keine 50 Kilometer mehr bis Bennewitz und wir hatten uns eine Ankunftszeit gegen 18Uhr ausgemalt.



So haben wir an Geschwindigkeit etwas zu gelegt. Nicht wirklich bewußt, aber es lief halt gut und wir wechselten uns in der Führung immer wieder ab.


Ich dachte nicht, daß ich jetzt noch ein höheres Tempo gehen könnte, aber ich hatte wohl endlich meinen Rhythmus gefunden. Die Sonne hat sich nun auch noch mal gezeigt und so wir sind wir in den frühen Abend gerollt. Verdammt, es läuft endlich!!!


So ging es noch mal den letzten Stich mit nem 30er Schnitt Richtung Wurzen bergan. Irgendwie waren wir beflügelt, oder wollten einfach ankommen - keine Ahnung was uns so gepusht hat...


Über Falkenberg ging es noch fix nach Wurzen und kurze Zeit später...


...standen wir schon wieder an der Ampel gegenüber des Sportplatzes in Bennewitz. Das war also "schon" das Brevet?


Nene - das wäre ja zu einfach! Zum Schluß wartete noch der letzte Kontrollpunkt an der AGIP-Tanke bei Kilometer 200,5 in Bennewitz auf uns. Hier gab es nichts mehr zu futtern - nur kurz rein und Stempel holen - im Vereinsgebäude sollte noch ausreichend Kuchen auf uns warten...


Die letzten Meter zurück zum Startpunkt am Sportplatz waren nur noch eine Fingerübung und kurz nach 18 Uhr sind wir dort tatsächlich angekommen. Dort standen mittlerer Weile mehr Autos, als Fahrräder vor dem Gebäude, aber trotzdem waren wir nicht das Schlußlicht.

 

Der Tacho zeigt gute 204 Kilometer an und ich fühle mich trotzdem gut und war zufrieden, aber auch irgendwie stolz, meine ersten 200 Kilometer am Stück gefahren zu haben!


Das Vaya war schnell wieder im Auto verstaut. Mit Wechselklamotten und Duschzeug unterm Arm war ich eben so schnell auf dem Weg ins Vereinsgebäude, um noch ein wenig mit den Jungs zu plaudern und lecker Kuchen zu mampfen.




Die Turnhalle war jetzt ziemlich übersichtlich, aber ein paar Randonneure incl. Gerd und Jörg waren noch da. Die Nachzügler trudelten jetzt auch ein und wir konnten noch ein wenig das Brevet auswerten. 
Letztendlich steckten die 200 Kilometer allen Anwesenden in den Knochen, auch wenn die Erfahrenen  schon weitaus größere Brevets zuvor gefahren sind. Es wurde Bier und Cola getrunken, Kuchen gegessen, gelacht und geplant. Ein sehr angenehmer Abschluß meines ersten Brevet und ne heiße Dusche zur Belohnung rundete diesen Tag angenehm ab :-  )

Zum Schluß habe ich Gerd noch ein wenig beim Aufräumen in der Turnhalle geholfen und wir tauschten uns noch ein wenig über das Radfahren aus. Ich fühlte mich immer noch frisch und beschloß nun doch noch nach Hause zu fahren. Quasi als Bummelletzter habe ich das Gelände verlassen und die Heimfahrt angetreten.

CHECK!
 


Unterm Strich 


Meine Neugier für das Langstreckenfahren wurde schon vor ein paar Jahren geweckt. Gleichermaßen stieg mein Interesse an 28 Zöllern und das Kilometersammeln auf der Straße. Da mein Salsa Vaya gerade erst fertig wurde, bot sich die Gelegenheit mit der startenden Saison, erste Langstreckenerfahrungen zu sammeln. Im Vorfeld hatte ich schon viel aus dem Bekanntenkreis über Brevets gehört und habe mich zunehmend zu dem Thema eingelesen. Wie eingangs schon erwähnt, hat mich das nächst gelegene Brevet nach Sachsen geführt.

Ohne Erwartungen, aber mit großer Neugier hatte ich mich bei der ARA Sachsen in Bennewitz für den 200er Brevet angemeldet, ohne wirklich zu wissen, was auf mich zu kommt. 

In Bennewitz angekommen, war die Kontaktaufnahme mit anderen Langstreckenfahrern völlig unproblematisch und fließend. Man kommt quasi automatisch ins Gespräch. Ich wurde freundlich empfangen und über die Gespräche als "Frischling" wurden mir gleich Tips zum allgemeinen Ablauf auf der Strecke gegeben. Alles völlig unbürokratisch und vor allem entspannt. Olaf hatte mir sofort die Übernachtungsmöglichkeit in der Turnhalle angeboten, was mir auch eine gewisse Sicherheit gab, nicht mehr zwingend nach Hause fahren zu müssen oder ein Platz für mein Zelt in der Umgebung suchen zu müssen. Klasse!

An den Kontrollpunkten herrschte stets gute Stimmung und mehrmals wurde nach meinem Befinden gefragt, was ich als Neuling sehr angenehm fand. Unterwegs nach dem ersten Kontrollpunkt, hatte ich eine kleine Gruppe schnell gefunden, welche sich später um Gerd und Jörg reduzierte. Gerd hat mir bis zur zweiten Kontrollstelle großzügig seinen Windschatten zur Verfügung gestellt, ohne diesen ich wohl wesentlich mehr hätte kämpfen müssen. Als wir mit Jörg wieder zu dritt waren, konnte ich ein wenig regenerieren und es entwickelte sich eine gute Gruppendynamik. So konnte ich dann etwas erholt mit wiederholter Führungsarbeit etwas gut machen, hoffe ich... ;-  )

Ich habe bei dem Brevet erneut etwas mehr über mich, meine Leistungs -und Leidensfähigkeit gelernt und meine eigene Meßlatte so auch etwas nach oben verschieben können. Der stets freundliche Umgang, die netten Kontakte und die allgemein entspannte Atmosphäre waren dem Ganzen sehr zuträglich. Dank der Gruppenarbeit war es eine tolle Erfahrung und hat letztendlich ne Menge Spaß gemacht. 

Mein Salsa Vaya hat ohne zu murren über die gesamte Strecke wie ein Kätzchen geschnurrt. Na klar gibt es hier und da noch ein wenig Optimierungsbedarf, gerade in puncto Sitzposition und Sattelwahl, aber das bleibt bei einem neu aufgebautem Bike nun mal nicht aus.

Tja, am Ende kann ich nur sagen...


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