Challenge Gravel Grinder Race im Test - Ein komfortabler Gravelreifen für den All-Arround Einsatz

Challenge Gravel Grinder Race 38-622 / 28"


Die italienische Firma Challenge wurde 2003 als eigenständiger Reifenhersteller ins Leben gerufen, hatte ihren Ursprung aber schon 1985 in der italienischen Fahrradbranche.

Mit der Spezialisierung auf Fahrradbereifung ab 2003 wurde das Reifensortiment sukzessive ausgebaut. In den folgenden Jahren entwickelt Challenge eigene Verfahren zur Herstellung wie auch Gummi -und Latexmischungen für ihre Reifen. Diverse Modelle für Straße und gerade den Crossbereich folgten. Viele weltweite Erfolge bei Cyclocross-Weltmeisterschaften bestätigen bis heute die superbe Funktion ihrer Reifen und Challenge ist mittlerer Weile eine feste Größe beim Cyclocross.

Das hat mich bei der Suche nach den paßenden Reifen für mein Gravelbike auf Challenge aufmerksam werden lassen. In den letzten Jahren habe ich immer wieder unschöne Erfahrungen mit den Reifen des wohl größten Fahrradreifen-Hersteller im hierzulande gemacht. Das zog sich wie ein Fluch über verschiedene Reifenmodelle. Waren es der fast schon standardisierte unrunde Lauf, die sich der lößenden Reflexstreifen, Weichmacher verflüchtigende poröse Reifenflanken und das mit nicht mal 500km - das ging vor Jahren noch viel besser.

Darauf hatte ich keine Lust mehr und wollte einfach mal was neues ausprobieren. Also habe ich einfach mal ein Paar Challenge Gravel Grinder Race geordert, welche meine Anforderungen an einen Schotter tauglichen Straßenreifen erfüllen sollten. Nach 3400km mit den Reifen möchte ich nun ein Resümee ziehen



Challenge Gravel Grinder Race 38-622 / 28"


Gravel Grinder Race am Vorderrad

Die Gravelgrinder Race habe ich in der komfortablen Breite von 38-622 geordert. Komfort und Grip auf unbefestigten Untergrund waren mir wichtiger wie ein Quäntchen mehr Speed auf Asphalt, was man von so einem Reifen sowieso nicht erwarten sollte.

Aufgezogen wurde die Reifen auf DT TK 540 Felgen mit  einer Felgenbreite von 24mm außen und 19mm innen. Darauf kam (anders wie auf dem Foto unten zu sehen) Gewebefelgenband von Velox. Bei den 700c Schläuchen vom Großen Reifenhersteller bin ich geblieben, denn diese finde ich ich nach wie vor immer noch sehr haltbar. Mehr Fotos zu den Laufrädern im Detail gibt es in dem Artikel zum Aufbau meines Salsa Vaya Custom Gravelbike Laufräder & Bereifung zu sehen. Gefahren habe ich die Gravel Grinder Race je nach Tour mit komfortablen 2,5-2,8 bar.



Material & Aufbau


Gravel Grinder Race 38-622, Schwalbe 28"/700c Schläuche und Schwalbe Felgenband

Der Gravel Grinder ist ein All-Arround Gravel-Faltreifen mit fein profilierter, diamantförmig "pigmentierter" Lauffläche für Asphalt und groberen Y-förmigen Seitenstollen für unbefestigtem Untergrund. Gravelground, Forstautobahnen, Singletrails oder eben alles was abseits von asphaltierten Straßen verläuft.

Es gibt ihn in zwei verschiedenen Breiten von 33 oder 38mm; als Plus oder Race Version. Ich habe mich für den Gravel Grinder Race in 38mm Breite entschieden. Mit 2,8 bar auf der DT Felge befüllt habe ich 37mm Breite gemessen.

Die Lauffläche besteht aus Naturkautschuk. Darunter befindet sich eine Gewebeschicht aus Double PPS (Puncture Protection Strip) eingearbeitet, welche die gleiche Flexibilität der Lauffläche bei höherem Durchstichschutz der Karkasse gewährleisten soll. Abschließend die Karkasse aus Polyester.  Die Gewebedichte beträgt 120tpi (Fadenzahl).

Durch ihre eigene Technologie verzichtet Challenge auf die Vulkanisierung der Kautschukreifen und die einzelnen Lagen werden unter hohem Druck verklebt. So soll die Flexibilität und Geschmeidigkeit des verwendeten Naturkautschuk erhalten bleiben.

Für einen Faltreifen typisch verlaufen an den Reifenflanken gebündelte Kevlarfäden, welche den Reifen im befüllten Zustand im Felgenhorn halten. 

So wiegt ein Gravel Grinder Race Faltreifen auf meiner Waage 372g was schon mal eine Ansage ist. 

Zur maximalen Tragfähigkeit der Reifen macht Challenge keine Angaben.

Nur 37mm Breite trotz breiter DT 540 TK Felge



Performance Offroad & Straße


Gravel Grinder Race im Gravel Einsatz

Der Einsatzzweck war für mich klar definiert: In erster Linie ausreichend Grip auf schottrigen Wegen aka Gravelpisten und Trails bei Bikepacking -und Graveltouren. Auf Asphalt sollte er natürlich auch nicht patzen und bei flotter Gangart auf Trainingsfahrten eine gute Figur machen.

Gravel & Road

Wenn es möglich war, habe ich dem Forstweg immer Vorrang gegeben und dabei keine Rücksicht auf das schwarze Gummi bzw. den Kautschuk genommen. Egal ob auf Bikepacking-Touren oder bei Trainigsfahrten.

Gravelpiste - guter Grip

Hier hat sich der Gravel Grinder durchweg neutral verhalten. Den Grip empfand ich auf losem Untergrund meistens als ausreichend. Bei höheren Tempi auf Abfahrten hat der Reifen spürbar seinen Grenzbereich angekündigt und ist nicht schlagartig ausgebrochen.

Selbstredend sind einem Reifen in dieser Breite auch Grenzen gesetzt und der Verstand sollte über dem Adrenalinrausch stehen. Nicht immer einfach wenns flicht; trotzdem war selbst das Anbremsen vor Serpentinen talwärts nie wirklich ein Problem und ich konnte das Bike mit voraus schauendem Blick und sensiblen Finger am Bremshebel sauber abbremsen ohne irgendwann mal zu stürzen. Das Y-förmige Seitenprofil in Kombination mit dem weichen Kautschuk hat sicherlich einen guten Teil dazu beigetragen.

Asphalt - softes rollen

Eben über dieses Y-Profil an den Seiten der Reifen hatte ich Anfangs so meine Bedenken was den Seitenhalt in flotten Asphaltkurven betrifft. Ich vermutete sogar, daß der Reifen in Schräglage lautstark zu rubbeln beginnt und über die Seiten nach außen wandert.

Aber hier habe ich mich getäuscht! Die weiche Kautschukmischung klebt förmlich am Asphalt: auch in schnell gefahrenen Kurven mit größerer Schräglage.

Nässe im Herbst ist kein Problem - schmierige Blätter schon

Selbst bei Nässe haftet der Gravel Grinder Race noch sehr gut auf Asphalt. Den Grenzbereich habe ich scheinbar noch lange nicht ausgelotet, denn für meine Verhältnisse war immer genügend Grip vorhanden. Bei Laub bedeckten Wegen kann der Reifen schon mal leicht weg schmieren, aber das möchte ich ihm nicht anlasten. Mir ist es zum Glück noch nicht passiert. Bei solchen Verhältnissen kommen wohl die meisten solcher Reifen mit wenig profilierter Lauffläche ins schlingern.



Haltbarkeit & Verschleiß


Gravel Grinder Race - Blick aus dem Tarptent nach einer regnerischen Nacht

Wie schon erwähnt, habe ich die Reifen nicht geschont und sie mußten bei mir ordentlich herhalten. Auf Bikepacking-Touren mit etwas mehr Last, auf Gravelpisten und spitzen Schotter, lediglich auf Asphalt durften sie ein wenig entspannen.

Vorderer Reifen nur wenig Verschleiß

Am Vorderrad sieht das Profil nach 2600km noch sehr gut aus; fast neuwertig, obwohl der vordere Reifen beim Anbremsen die größte Energie aufnehmen und ordentlich arbeiten muß, ist der Verschleiß vergleichsweise wirklich gering.

Hinterer Reifen recht hoher Verschleiß

Ganz anders sieht es beim hinteren Reifen aus. Hier ist das Profil der Lauffläche fast komplett abgefahren. Solch eine hoher Verschleiß, gerade im Vergleich mit dem vorderem Reifen, hatte mich etwas überrascht

Der unterschiedliche Verschleiß liegt in der Natur der Sache und ist nicht ungewöhnlich; eigentlich normal. Gerade mit mehr Körpergewicht nach vorn in den Hörnern hängend ist das Gewicht auf dem Hinterrad und Reifen um einiges geringer, wie bei einem Mountainbike mit aufrechterer Sitzposition ist. So hat das Hinterrad gerne mal kurz bei leichtem Anbremsen blockiert, wozu noch der Abrieb durch die Reibung am antreibenden Rad kommt. Naja, alles zusammen hat am Ende für ordentlich Abrieb gesorgt. Trotzdem finde ich diesen nicht unerheblich.

Hinterer Reifen mit abgefahrenem Laufflächen-Profil nach 3400km

Nach 3400km war der hintere Reifen dann wirklich blank. Die seitlichen Y-Stollen haben sich vergleichsweise wenig abgenutzt. Am Vorderrad konnte ich insgesamt keinen weiteren - zumindest sichtbaren - Verschleiß feststellen.

Aufgerissene Reifenflanke am Hinterrad

Zu dem Zeitpunkt kam der Gravel Grinder Race an seine Verschleißgrenze und hat diese mit einer aufgerissenen Reifenflanke im Bereich des Felgenhornes quittiert.

Durchgescheuerte Reifenflanke im Detail

Es fühlte sich beim fahren an, als würde ein Schlammklumpen am Reifen kleben, welcher bei jeder Umdrehung des Rades für einen leichten "Schlag" sorgt - das habe ich zumindest in der Situation gedacht und auch gehofft - aber die Realität sah leider anders aus.

Abrieb durch das Felgenhorn deutlich ersichtlich

Abgeriebene Beschichtung auf dem Felgenhorn
 
Das Felgenhorn hat dauerhaft an der Reifenflanke gerieben und die äußere Lage war nun durch. Der Abrieb der Beschichtung ist ein deutliches Indiz dafür. Die Reifenflanke am vorderen Reifen sah im Vergleich noch etwas besser aus, aber es wäre sich eine Frage der Zeit, bis diese dann durch gerieben auch ihren Dienst quittiert.

Einziger Platten durch kleinen Nagel

Kaum zu glauben, aber meine Pannenstatistik belief sich lediglich auf nur einen Platten! Hier hat sich genau in der Mitte des Reifen ein kleiner Nagel den Weg ins Innere gesucht als ich hinter einer Kleingartenanlage entlang fuhr. Diese Art von Kleingartenanlagen, wo sämtlicher Baumüll nur ein paar Meter weiter im Wald entsorgt wird und auf dem Weg einiges verloren geht. Ätzend!

Gravel Grinder Race & Salsa Vaya in Harmonie



Unterm Strich


Bisher habe ich nur Erfahrungen mit verschiedenen Mountainbike -und Reiseradreifen gemacht. Diese haben einen völlig anderen Profilaufbau. Daher war der Gravel Grinder Race mit seinem Profil absolutes Neuland für mich.

Die Performance hat mich durchweg begeistert. Egal ob auf losem Untergrund, Asphalt und selbst bei Nässe war er immer gut zu kontrollieren. Der Grip war für meine Anforderungen meistens ausreichend. Selbst bergauf über Wiesen hatte ich genügend Halt und selten ein durchdrehendes Hinterrad. Auch quer übers Feld hat er eine gute Figur gemacht; allerdings sinkt der Reifen hier etwas mehr ein und das Vorankommen ist sehr mühsam.

Schlammige Wege hingegen mag er nicht. Hier dreht das Hinterrad gerne mal durch und gefühlvolles treten ist Pflicht. Durch die wenig profilierte Lauffläche schmiert er immer wieder mal seitlich weg, fängt sich aber schnell durch die Y-Seitenstollen wieder. Wenn man das verinnerlicht hat, kommt man auch unter solchen Verhältnissen mit dem Reifen zurecht.

Eines kann er aber überhaupt nicht: Sand! Das ist a.G. seiner Breite nicht sein Terrain. Dabei taucht er zu weit in den Sand ein und begräbt sich quasi selbst. Meistens war nach ein paar Metern Schluß mit "fahren", aber so eine Quälerei will man auch nicht wirklich. Auf meiner Suche nach Gravel mußte ich allerdings unter solchen Bedingungen ganz schön kämpfen...

Da der Reifen im Spätherbst seinen Geist aufgegeben hat, kann ich leider nichts zur Performance unter winterlichen Bedingungen sagen, obwohl mich diese sehr interessiert hätte. 

Den vorzeitigen Verschleiß der Reifenflanke möchte ich Challenge nur zum Teil anlasten, da ich die Reifen außerhalb der Herstellervorgaben benutzt habe. Alles andere wäre unfair!


Was heißt das jetzt?


Der Gravel Grinder Race ist von Challenge für die Montage auf einer Felge von maximal 23mm und minimalem Reifendruck von 3 bar freigegeben.

Ich hingegen habe die Reifen auf 24mm breite Felgen aufgezogen und mit maximal 2,8 bar gefahren!

Die einen Millimeter breiteren Felgen würde ich nicht unbedingt dafür verantwortlich machen, aber den zu geringen Reifendruck schon. Dadurch legt sich die Reifenflanke mehr auf das Felgenhorn und scheuert so vorzeitig das Material flächiger durch. Gerade bei meinem Systemgewicht von bis zu 110kg auf Bikepacking-Touren und meinen oft ruppigen Fahrstil erhöht sich die Belastung noch zusätzlich. Das sollte mit Sicherheit vom Hersteller - zumindest weitestgehend - durch die Angabe des minimalen zu fahrenden Reifendruckes verhindert werden.

Die Tragfähigkeit betreffend hält sich Challenge leider bedeckt und bleibt diese dem Nutzer schuldig. Zumindest konnte ich keine Informationen dazu in Erfahrung bringen. Wenn ich die Tragfähigkeit grundsätzlich überschritten habe, wäre das mit Sicherheit ein zusätzlicher Grund des frühen Verschleißes der Reifenflanke. Meine "vorsätzliche" Nutzung außerhalb der Herstellervorgaben wäre dann "nur" noch on top...die Angabe der maximalen Traglast fände ich daher nur fair!

Laufflächenverschleiß im Reifenquerschnitt

Da der Reifen sowieso fertig war, habe ich ihn aus Neugierde mal durchgeschnitten. Beim Betrachten des Querschnittes ist die flach abgefahrene Lauffläche schon zu gut erkennen, aber trotzdem wäre noch genug Gummi bzw. Kautschuk für viele Kilometer vorhanden.

Wie lange die Reifenflanke im empfohlenen Luftdruckbereich mit passender Felgenbreite gehalten hätte, steht in den Sternen. Ein Vergleich zu einem Reiseradreifen mit der dreifachem Lebensdauer und doppelten Gewicht wäre hier fehl am Platz. Ich gehe einfach davon aus, daß die Haltbarkeit der Reifenflanke bei einhalten der Herstellervorgaben um einiges höher ist. Man darf hierbei auch nicht vergessen, daß der Faltreifen mit seinen 372g ein absolutes Leichtgewicht für das vorgesehenes Einsatzgebiet ist.

Für ~30€ online ist der Challenge Gravel Grinder Race ein gut funktionierender All-Arround Gravel-Faltreifen im mittleren Preissegment. Die versprochene Geschmeidigkeit der Kautschukmischung läßt den Reifen sanft abrollen und bietet in den meisten Situationen ausreichend Grip. Das bezahlt man mit einem ziemlich hohen Verschleiß; zumindest am Hinterrad. Das frühzeitige durch scheuern der Reifenflanke nach schon 3400km ist trotz meiner Nutzung ärgerlich, denn die Lauffläche hatte trotz abgefahrenen Profil noch genug Material für viele weitere Kilometer. Ohne die Angabe der maximalen Traglast bleibt es leider nur beim sinnieren und ein Blick in die Glaskugel...

 

Warum organisierte Abenteuerfahrten nichts für mich sind - Eine Selbsterkenntnis und mein Weg zurück zum entspannten Bikepacking



Es gibt für alles im Leben einen Auslöser oder Grund. Meißt offensichtlich, aber manchmal auch schleichend. Oft nimmt man die Auslöser dafür nicht wahr, aber die Folgen umso prägnanter. Nach meinem Gefühl kann ich immer recht schnell für mich selektieren, was mir gut tut und wobei mein Spaß an der Sache nicht auf der Strecke bleibt. Noch viel deutlicher spüre ich das Unbehagen, wenn mir etwas überhaupt nicht zu sagt, ich mich dazu aufraffen und motivieren muß. Über die Jahre immer bezeichnender, deutlicher und klarer. Mit der Zeit habe ich mehr und mehr über mich erfahren, von dem was ich möchte und was ich nicht will!

Gerade bei sportlichen Aktivitäten ging ich bisher oft an meine persönlichen Grenzen und versuchte diese für mich zu erkunden. Vielleicht auch auszuloten, aber definieren möchte ich diese für mich nicht (mehr), denn Grenzen verschieben sich. Bei der stetigen Hatz danach und dem krampfhaften Erreichen dieser, geht für mich oft der Freude an der Sache und die Gelassenheit mit ausreichendem Raum für den Genuß, verloren. Trotz des eigenen sportlichen Anspruches möchte ich nicht auf Biegen und Brechen als Produkt meiner eigenen überzogenen Planung für eine Tour oder einem Sportevent und meine Freude daran aufs Spiel setzen um am Ende den Spaß dabei zu verlieren. Definitiv nicht oder nicht mehr, denn das geht bei mir recht schnell. Mit schwindender Motivation und in dem Kontext wäre es schade um eine eigentlich gute Zeit bei der Sache.

Als ich mit Mitte Zwanzig immer öfter an diversen Mountainbike-Marathons teilnahm, hatte ich am höher, schneller und weiter richtig Blut geleckt. Es konnte nicht knackig genug bergauf oder besser noch in ordentlicher Downhill Manier bergab gehen. Rahmenbrüche, Stürze auf Downhills mit folgenden Krankenhausaufenthalten, OP's an überbelasteten Gelenken und ständig entzündeten Muskeln. Es hat immer irgendwo im Bewegungsapparat geschmerzt. Aber egal, es ging irgendwie und die nächste heftige Tour stand schon wieder an. Immer möglichst am Anschlag und besser darüber hinaus. Meine eigenen Grenzen habe ich so sehr blauäugig, oft über den Schmerz hinweg und in der Gruppendynamik mit den Kumpels auf Tour, immer wieder neu definiert und überschritten. Zu dieser Zeit war es für mich jedes Mal eine neue Erfahrung und ich konnte zwar völlig platt, aber zufrieden mit mir den Tag abschließen. Das ist nun schon über Zwanzig Jahre her...

Über die Jahre hat sich langsam aber auch sehr deutlich für mich heraus kristallisiert, was mir gut tut und woran ich Freude im Leben habe. Dazu gehört für mich eindeutig der Sport, welcher mir ein solides Fundament und in der richtigen Dosis Zufriedenheit und Entspannung bietet. Sei es das Radfahren oder der Laufsport. Selbst sportliche Trekkingtouren zähle ich dazu. In jeder Hinsicht ein Lernprozeß über die Jahre, welchen wohl viele auch schon selbst durchschritten haben. Erfahrungen sind nun mal prägend. Nicht immer positiv, aber gerade daraus resultierend und mit der gewissen Sensibilität zeichneten sich für mich über die Zeit ziemlich klar meine eigenen Präferenzen ab. 

Auch wenn ich von Freunden immer wieder mal für die Auslegung meiner übertriebenen Präferenzen im Sport wie im Lebensalltag ein Kopfschütteln erhalte, habe ich meine Ausgewogenheit im Sport gefunden. Nicht immer linear, aber in der Gesamtheit nun schon über Jahrzehnte beständig. Dabei hat sich ziemlich früh abgezeichnet, was ich möchte und vor allem, was ich nicht will! Nicht wollenen und es trotzdem zu tun bedeutet für mich generell Druck, ein gewißer Zwang, Komforteinbusen und daraus resultierendes Unbehagen mit der schwindenden Freude am Sport oder einer Tour. Nein! Das habe ich für mich mit den Jahren mehr und mehr auszuschließen gelernt, wenn gleich es nicht immer funktioniert. Manchmal falle ich eben wieder in alte Raster, wohl wissend und mit dem ungutem Gefühl im Bauch, ob es die richtige Entscheidung war.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Candy B. Graveller 2017 bei welchem ich kürzlich voller Vorfreude, aber eben mit diesem unguten Gefühl im Bauch gestartet bin, ob solche "Massen"-Veranstaltungen mit diesem gewissen Druck in einem zeitlichen Rahmen das Ziel über mehrere Tage zu erreichen, überhaupt etwas für mich sind. Das mich eine mitgebrachte Erkältung, welche sich immer mehr intensivierte und mich am vierten Tag mit Fieber abbrechen ließ, ist eine andere Sache. Solche Unpäßlichkeiten sind immer böld, aber diese kann man genauso wenig ändern, wie das Wetter. 
Nach dem Start hatte sich bei mir schnell wieder dieser unterschwellige Druck eingestellt, pro Tag eine bestimmte Kilometerleistung drücken zu müßen um in einem vertretbaren Rahmen die gesamte Strecke absolvieren zu können. Dieser Rahmen betrug bei mir 5 Tage, was ich nicht für überzogen hielt. Und klar, hier setzt jeder für sich selbst die eigenen Maße des fahrbaren, ob nun mit weniger oder mehr Komfortanspruch. Mit letzterem bin ich gestartet und hatte trotz des besagtem Druck in mir verspürt, auf Teufel komm raus treten und Kilometer reißen zu müßen. Das ist natürlich mein eigenes Ding, mein Umgang mit Druck und Zwang, was aber eben auch zu Lasten des entspannten Fahrens und dem Spaß für mich auf Tour geht. Nebenher waren etwaige Umstände rund um den Candy B. für mich oft nicht nachvollziehbar, was der Fahrer Joachim mit seinem kritischen Kommentar quasi nochmal auf den Punkt gebracht hat. Absolut konform in seinen Anmerkungen spare ich mir einen weiteren Kommentar. Einen Tourenbericht meiner seits aus der Enttäuschung resultierend wird es daher auch nicht geben. Das nur am Rande.

Positiver Nebeneffekt war hier wiederum meine Erkenntnis, daß ich mich einem solchen Druck - wenngleich auch selbst aufgebaut - nicht mehr aussetzen muß und will! In dem Zusammenhang ist für mich auch die Entscheidung gefallen, meine Teilnahmen an organisiert geplanten Abenteuerfahrten in Zukunft zu känzeln. Eine Entscheidung über den Bauch und vom Kopf bestätigt!

Ich ziehe es doch lieber vor, Bikepacking-Touren mit guten Freunden oder auch immer wieder gern alleine zu machen. Kein Druck, kein Zwang. So lange fahren wie ich möchte, mein Tempo ohne irgendwelche virtuellen Vorgaben, Pause so oft und lange machen wie es mir gut tut und dabei die Natur mit tiefen Atemzügen zu genießen. Klingt etwas pathetisch, aber das ist die Art, wie ich mich auf Touren wohl fühle und Spaß daran habe, worum es doch letztendlich geht. Für mich zumindest und dazu gehört auch mal alle Fünfe gerade sein zu lassen :-  )



Wildcat Gear Lion im Test - Ein leicher Drybag-Halter für das Bikepacking-Cockpit made in UK mit leichtem Verbesserungspotential

Wildcat Gear Lion incl. Tongue
Der Wildcat Gear Lion ist ein praktischer Halter für den Drybag am Bike-Cockpit. Genauso wie  bei meinem Leopard Full Custom Frame Bag und Tiger habe ich mich für Wildcat Gear entschieden. Das  umfangreiche Angebot sämtlicher Bikepacking Bags und der gute Ruf des sympathischen Brit-Manufacturer waren für mich ausschlaggebend. Den Wildcat Gear Lion gibt es im Bundle und dadurch auch etwas günstiger. Somit ist es ein Bundle geworden, da ich sowieso die drei beinhalteten Parts im einzelnen gekauft hätte. 

Ich hatte den Lion im Konvolut auf mehreren Bikepacking-Touren im Einsatz und wie er sich in der Praxis schlägt,
erfährst du nun meinem Testbericht.


Wildcat Gear Lion


Wildcat Gear Lion mit Alpkit Drybag
Für Puristen reicht die Befestigung des Drybag mit zwei Spanngurten am Lenker oft aus, die Montage geht recht schnell von der Hand und ist unangefochten die leichteste aller Möglichkeiten den Drybag ins Bike-Cockpit zu integrieren.

Diese Art der Befestigung hat aber auch Nachteile. Der Drybag braucht viel Zug auf den Spanngurten um einigermaßen fest am Lenker zu sitzen. Über eine zusätzliche Abspannung am Steuerohr kann man das nervöse tänzeln des Drybag gerade im Gelände etwas unter Kontrolle bringen. Dadurch wird der Drybag aber auch mehr unter den Lenker zum Steuerohr hin gezogen. Das kann zur Folge haben, daß die Schalthüllen eingeklemmt und geknickt werden. Etwas schwergängigere Schaltvorgänge und eingeschränkte Schaltperformance insgesamt können daraus resultieren.  Gerade 11-fach Schaltungen sind dafür sehr empfänglich und reagieren d.b. sehr sensibel. Für die Hydraulikleitungen der Scheibenbremsen stellt das weniger ein Problem dar, aber gesund finde ich das unnötige streßen der Leitungen und Hüllen auch nicht.  

Tja und hier kommt nun der Wildcat Gear Lion ins Spiel!



Seitenansicht - Platz für die Leitungen



Material und Ausstattung



Lion im Detail
Der Wildcat Gear Lion ist ausschließlich in Schwarz erhältlich. Gefertigt ist er aus Dimension-Polyant X-Pac VX21 und Ballistc-Nylon. Der Kern besteht aus einer gepolsterten und gleichzeitig stabilisierenden Einlage. Die Klettverschlüße mit dem Flausch auf der Innenseite, auf der Außenseite ein Gummiband über dem Logo, Polyester-Gurtmaterial, Steckschließen und Kanteneinfaßband. Die Maße betragen 29x23cm, wobei sich die Breite nach unten auf 26cm verjüngt. Die Stärke beträgt 6mm.

Die große Lasche, von Wildcat Gear irgendwie paßend Lion Tongue (Löwenzunge) benannt, besteht
aus zwei Lagen Dimension-Polyant X-Pac VX21. Eine Daisy Chain zur Gurtführung und zwei Hakenbänder als Gegenstück(e) zum Klettverschluß sind aufgenäht. Hier betragen die Maße 36x23cm und nach unten läuft die Zunge auf schmale 14cm zu. Die Stärke beträgt 3mm.


Sauberer Gurtbandabschluß per Klett
An den zwei Spanngurten für den Drybag sind praktische  Klett-Gurtbandabschlüße angebracht. Einfach die Gurte spannen, den Rest einrollen und mit den Kletts sichern. Eine simple und effektive Möglichkeit die Gurte am flattern zu hindern.


Lion mit und ohne Tongue
Das Gewicht des beträgt komplett 186g, wobei der Lion solo 146g und die Lion Tongue 40g wiegt.



Lieferumfang



Montageanleitung
Neben dem Lion incl. Tongue selbst befindet sich im Lieferumfang eine sehr gut bebilderte Montageanleitung zur Befestigung des Drybag-Halter an Lenker und Gabelbrücke. Die Anleitung dient bei der Montage des Tiger als angenehme Hilfestellung, aber nötig ist sie nicht wirklich, da der Gurtverlauf eigentlich selbst klärend ist. Wenn man das erste Mal so ein Teil montiert, kann die sehr gut bebilderte Anleitung die Erstmontage trotzdem erleichtern. Lobenswert so oder so!



Montage & Tuning



Lion Draufsicht am Lenker montiert


Verlängerte Gurte mit zusätzlichen Dreistegen und Polyester-Schlauch
Der Lion wird über ein Gurtsystem zwischen Lenker und Gabelkopf gehangen und mittels Leiterschnallen am Lenker verspannt. Dadurch wird das "streßen" der Züge und Hüllen bei ausreichend strammer Abspannung - zumindest am Rennbügel - gering gehalten und die Bewegung mit beladenem Drybag insgesamt minimiert.


Seitenansicht Gurte & zusätzliche Dreistege
Von Wildcat Gear ist nur über dem Bereich der Gabelbrücke jeweils einem Dreisteg vorgesehen welche die Gurte dort zusammen hält. Die Last des Drybag liegt aber weiter oben an, wo die Gurte bis zum Lenker nur noch "einlagig" verlaufen. Bis hierher verstanden?

Ok, das hatte der Tiger für meine Verhältnisse noch ein wenig zu sehr wippen lassen. Nur im minimalen Bereich, aber für mich trägt die Ruhe im Bike und allem was daran montiert ist, zu einem entspannterem fahren bei.



Gurttuning am Gabelkopf
Etwas Tuning war so für mich unumgänglich. Über eine oben zusätzlich eingeschlauftem Dreisteg pro Seite habe ich die Gurte auch dort zusammen legen können. So sind quasi zwei Doppelgurte mit mehr Stabilität für nochmals reduziertere Bewegung des Drybag entstanden. Zusätzlich habe ich ein Stück Polyester-Schlauch gegen Abrieb unter dem Gabelkopf und zum Schutz der Gurte vor dem Dreck-Beschuß des Reifens aufgezogen.


Gurtverlängerungen und Dreistege im Detail
Leider waren die Gurte für meine Lenkerhöhe durch die Spacer und Vorbausteigung von 25° etwas zu kurz. So haben aus den Leiterschnallen gerade mal 3cm heraus geschaut, was für ein kräftiges Abspannen ohne Zange einfach nicht ausreicht. Das ist sicher nicht der Sinn dahinter. Also war eine weiter Tuningmaßnahme die Verlängerung der Gurte. Mit 15cm mehr Länge läßt sich der Lion nun gut abspannen.


Lion Tounge Weitenregulierung durch zwei Kletts
Die Lion Tounge kann über zwei Hakenbänder an den Umfang des Drybag angepaßt oder auch komplett entfernt werden. So könnte man 40g Gewicht einsparen. Allerdings bietet die "Löwenzunge" einen zusätzliche Schutz des Drybag, bewahrt ihn gegen den aufgewirbelten Dreck des Vorderrades und Nässe von unten gerade bei längeren Regenfahrten. So kann der Drybag sauberer ent -und später ins Zelt mitgenommen werden. Zudem ist der Halt insgesamt flächiger und wenn der Inhalt schrumpfen sollte (Verpflegung), ist die Gefahr geringer, daß der Drybag aus den Gurten rutscht. Wie auf den Bildern zu sehen verwende einen Drybag von Alpkit  - hier geht es zum Testbericht meines Airlok Dual 13L Drybag.



Funktion auf Tour



Wenig Platz für die Hände am Rennbügel
Konstruktionsbedingt liegt der Lion direkt am Lenker an und bei meinem 46cm breiten Rennlenker muß ich in Oberlenker-Griffpostion die Hand (Handschuhgröße: 10) zum Teil zwischen Lenker und Lion schieben um noch "gerade" greifen zu können.

Der Gurt mit Steckschließen für die zusätzliche Montage des Lioness (Testbericht folgt) nimmt dabei auch noch etwas Platz in Anspruch, aber selbst ohne diesen würde ich weiter innen am Lenker nicht greifen wollen.



Angenehme Griffposition an den Hebeln mit montiertem Tiger am Salsa Cowbell3
In der Schalthebel-Griffposition fährt es sich mit Tiger und Bikepacking-Geschirr so am besten.
 
Beladung mit 2L Platypus Faltflasche

Am Abend und zu Beginn der Suche nach einem Übernachtungsplatz schnalle ich meißtens noch zusätzlich eine 2L Wasserfaltflasche oben drauf. Dann ist eine Trägheit deutlich spürbar, aber die Belastung durch den Wassertransport ist bestenfalls nur für ein paar Kilometer bis zum Biwak gedacht und abends ist sowieso die Luft für schnelles fahren raus. Die Gurte und der Lion haben die zusätzliche Last bisher ohne Blesuren weg gesteckt.



Unterm Strich


Der Wildcat Gear Lion ist mit seinen 186g ein leichter Drybag-Halter für das Bikecockpit. Durch das weglassen der Lion Tongue kann man mit kleinen Einschränkungen nochmal 40g an Gewicht sparen. Insgesamt gehen ca. 20g meinen Tunnigmaßnahmen zu lasten. Diese sind bis auf die Gurtverlängerung durch mein hohes Cockpit nicht zwingend notwendig, tragen aber insgesamt zu einer besseren Funktion bei. Ohne diese wäre der Lion nochmal leichter und kommt so event. auch für Puristen in Frage...

Durch die Gurtabspannung des Lion bleibt den Schalthüllen und Bremsleitungen mehr Bewegungsraum um weiterhin eine gute Funktion trotz Drybag am Lenker zu gewährleisten. Der Freiraum zwischen Lion-Abspannung und Steuerrohr ist auch von der Länge des Vorbaus abhängig. Ein leichtes "arbeiten" können selbst sehr fest abgespannte Gurte  des Drybag nicht verhindern, was aber mit meinem Tuning absolut im grünen Bereich ist. Ich versuche den Drybag möglichst nicht über 2kg zu beladen.  Meißt ist das Gewicht aber deutlich geringer.
Über die Verlängerung
konnte ich den Lion ordentlich stramm abspannen und  brauchte die Gurte bisher noch nie nach spannen. Verschleiß konnte ich noch keinen Ausmachen. Lediglich an den Polyester-Schläuchen im Gabelkopfbereich deuten sich die erste Hinweise dafür an. Das hängt auch mit der schmalen Gabelbrücke des Salsa Vaya und der Reibung der Gurte dadurch an der Steuersatzschale zusammen. Zeigt aber auch, daß der extra Schutz der Gurte seine Berechtigung hat. Die Nähte halten bisher ohne irgendwelche Auffälligkeiten.

Der eingeschränkte Platz für die Hände am Oberlenker zwischen Rennbügel und Lion ist konstruktionsbedingt und in meiner Kombination mit einem Rennlenker nicht zu ändern. Die Montage an einem breiten MTB-Lenker schließt den Platzmangel für die Hände durch die breitere Griffposition natürlich aus. 


Die Montage des Lion ist schon etwas aufwändiger und nicht mal in fünf Minuten erledigt. Die Montageanleitung kann dabei hilfreich sein, ist aber nicht unbedingt von Nöten. Das Verlegen der Gurte, der zusätzliche zweite Dreisteg pro Seite und den Polyester-Schlauch in die richtige Position ohne Verwerfungen zu bringen klappt nicht immer beim ersten Mal. Wenn aber alles sauber sitzt und gut abgespannt ist, funktioniert der Lion bestens - auch dank meines Tuning ;- >


Somit kann ich an der Verarbeitung überhaupt nichts auszusetzen und finde diese sehr gut. Punkt.

Etwas Feinschliff an der Funktion wäre allerdings wünschenswert. Hier nochmal die drei oben schon erwähnten Punkte:


  1. Längere Spanngurte 
  2. Doppelte Fixierung der Gurte pro Seite über Dreisteg o.ä. 
  3. Zusätzlicher Schutz der Gurte am Gabelkopf

Auch den Wildcat Gear Lion hatte ich im Bundle  für £168.74 geordert. Der Einzelpreis des Lion betrug so damals £59.09/~70€ was ich für Made in UK in Ordnung finde, aber günstig ist der Lion trotz der sehr guten Qualität nicht. Mein Tuning zeigt, daß es noch Verbesserungsbedarf gibt, welches die Grundfunktion nicht einschränkt, aber merklich optimiert. Trotzdem kann ich den Wildcat Gear Lion mit den erwähnten Einschränkungen empfehlen. Ob man nun bereit ist den dafür aufgerufenen Preis zu zahlen, muß jeder für sich selbst entscheiden...

Den Testbericht zum Lioness aus dem Bundle gibt es demnächst auch hier im Blog zu lesen.




Hier geht es zu den einzelnen Testberichten meiner Wildcat Gear Bike Bags: