Candy B. Graveller - Vorbereitungen abgeschloßen und der Countdown läuft!

Candy B. Graveller - 550km Bikepacking von Frankfurt nach Berlin

Dieses Jahr wurde erstmals der Candy B. Graveller - eine Bikepacking-Selbstversorger-Abenteuerfahrt - ins Leben gerufen. Vater des Gedanken war den historischen Hintergrund der Berliner Luftbrücke und den geschichtsträchtigen Aktionen der Rosinenbomber (CBG) Piloten, welche seither für Solidarität und Freiheit stehen, zu verbinden. In diesem Kontext war der Candy B. Graveller gebohren. Das Starterfeld ist auf 69 Teilnehmer limitiert. Jeder Starter hat mit einer Spende für soziale Zwecke seine Teilnahme bestätigt. Zudem wird über die gesamte Strecke ein Care-Paket mitgeführt, welches der Arche Berlin zu gute kommt und in einem Hotel in Berlin direkt an der Strecke gelegen, abgegeben wird. Eine runde Sache!

Am Freitag den 28.04.2017 um 18Uhr geht es los! Gestartet wird am Frankfurter Luftbückendenkmal und über 550km entlang des ehemaligen Flugkorridores verläuft die Strecke zum Berliner Luftbrückendenkmal. Alles dazwischen findet in Bikepacking-Selbstversorger-Art statt, immer möglichst dem Track folgend. Die Wegbeschaffenheit wurde größtenteils als "Gelände-Rennrad-Piste" gescoutet, was ein naturnahes Fahren in Aussicht stellt. Ich bin gespannt...

#10 Candy-Fahrer 2017: Matthias N.

...denn kurz nach bekannt werden der Abenteuerfahrt habe ich nicht lange gezögert, mich angemeldet und wurde unter #10 CANDY-FAHRER 2017: MATTHIAS N. gelistet. Die Zeit verging seit dem wie im Flug und bis zum Start am Freitag sind es nur noch zwei Tage. Zeit aber auch genug um mich noch ein wenig mit der Optimierung des Bikes und der Ausrüstung zu beschäftigen. Irgendwas neues ersetzt oder ergänzt ja immer das bewährte Setup. Nun liegen sämtliche Bags mit der Ausrüstung bereit und müßen nur noch an mein Salsa Vaya geschnallt werden. Dann kann es quasi los gehen!

Leider habe ich mir vor kurzem beim Lauftraining eine schmerzhafte Zerrung in der Wade zugezogen, die bisher noch nicht wirklich auskuriert ist und noch muckert. Nun hoffe ich, das die Wade durchhält...

Davon gehe ich jetzt einfach mal aus und du kannst mich ab Freitag auf OsMoDroid im Live-Tracking beim Candy B. Graveller 2017 begleiten. Einen umfangreichen Artikel zum Tracking mit OsmoDroid habe ich übrigens vor kurzem hier im Blog veröffentlicht.


Hinweis: Der Track auf Osmo Droid ist nicht der originale Streckenverlauf und lehnt sich lediglich grob am originalen Track an, da der Download bei OsMoDroid nicht abgeschaltet werden kann. Zur besseren Übersicht beim Tracking ist allerdings der ungefähre Streckenverlauf sinnvoll, weswegen ich diese Variante gewählt habe. Der Download des Tracks zur eigenen Verwendung bringt also nichts! Respect the Codex and the Locals!!! 

Nebenher werde ich auf Twitter unter dem Hashtag #CBG17 immer wieder mal was vom Tourengeschehen zwitschern.

Der Countdown läuft also und ich freue mich wie'n Schnitzel - bis Freitag :-  )


Salsa Vaya Custom Gravelbike - Neues Finish, Custom Gabel und Tuning der Gesamtperformance

Salsa Vaya - Neues Jahr, neuer Auftritt!
Winterzeit ist Tuningzeit! Zumindest läßt mir die kalte Jahreszeit viel Raum für das Überdenken und die Umsetzung von Projekten an meinen Bikes.

Mein Salsa Vaya hatte während und nach dem ersten halben Jahr unter meinen Fittichen schon einige kleine Tuningmaßnahmen erhalten. Bedeutet aber nicht, daß diese Teile so performen wie gewünscht, auch wenn ich derzeit der Meinung war das alles so funzt wie es soll. Zu verbessern gibt es immer irgend etwas. 

Ganz klar und nicht zu übersehen ist das neue Finish. Anders, zweifarbig, dezent, aber edel. So mein Gedanken bei der Farbwahl des Pulvers. Besser wie vorher? Anders definitv.

Bei der Gelegenheit habe ich dem Vaya gleich noch eine neue Gabel spendiert um das Stempeln der originalen Gabel beim Bremsen in den Griff zu bekommen. Aber nicht nur das und da ich schon mal dabei war; die Gabel hat gleich noch eine extra Bikepacking-Tunigmaßnahme erhalten.

Ok, soviel erst mal vorab zum einstimmen und nun geht es ins Detail :-  )



Mit Sicherheit nicht die letzten Optimierungen


Das neue Finish

Finish in zwei Farbtönen
Das Augenscheinlichste beim betrachten des neuen Vaya ist ganz klar das neue Finish. Hier stand für mich von Anfang an schon fest, daß ich das Transluzenz Candy Pur Pur nur eine Saison am Vaya fahren werde. Da im Winter meine Bikes sowieso weniger bewegt werden und ich zum Ausgleich mehr laufen gehe, konnte ich so auch mal einen Monat auf mein Vaya verzichten bis der Rahmenkit vom Beschichten zurück war. 


Star Blue an Petwer Bronze III
Nach einer Saison der unumgänglichen Auffälligkeit mit dem Vaya wollte ich zur Abwechslung nun mehr Understatement mit gedeckteren Farben. Gedeckte Farben bedeutet auch, daß das Finish in meinen Plänen aus zwei Farbtönen bestehen sollte, welche miteinander harmonieren. Understatement definitiv, aber einfach eine Farbton über das komplette Rahmenkit war mir dann doch zu langweilig. Kurzum; am Ende ist eine Kombination aus Star Blue (Blau mit Glitter) und Petwer Bronze III  (Grau-Silber) dabei heraus gekommen. Gestrahlt und beschichtet wurde das Rahmenkit wieder bei Pulverbeschichtung Jürgen Schmieder in Heidenau (Sachsen). Hier hat sich erneut deren langjährige Erfahrung bei der sorgsamen Beschichtung von Fahrradrahmen gezeigt. Gerade die Farbübergänge bei einer Pulverbeschichtung sauber umzusetzen ist immer etwas tricky, was dem Junior durchaus sauber nach meinen Vorgaben gelungen ist. Hierbei sollte das Blau und Grau diagonal über eine gedachte Linie den Rahmen bis hin zur Gabel abtrennen. Bis auf den diagonalen Übergang an der Gabel, war das auch problemlos möglich. Hier war die diagonale Linienführung nicht so einfach umsetzbar und warum ist anhand der Bilder eigentlich schon ganz klar zu erkennen - tja und somit bin ich schon beim aufwändigsten Umbau am Vaya - der Gabel!



Neue Gabel mit 3 Bolt Mounts und extra Flaschenhalter



Viele Schrauben!
Dem aufmerksamen Leser ist es sicher nicht entgangen, daß im Steuerrohr des Vaya eine neue Gabel sitzt. Richtig!

Nachdem ich das Stempeln beim Anbremsen im Gelände mit der originalen Salsa Gabel nicht in den Griff bekommen habe, wie ich schon in meinem Salsa Vaya Résumé nach einem halben Jahr berichtete, blieb mir augenscheinlich nur der Tausch gegen eine andere und hoffentlich steifere Gabel. Stahlgabeln gibt es mittlerer Weile wie Sand am Meer. Das Angebot ist wirklich groß, geht aber für 28 Zöller mit meiner benötigten Einbauhöhe quasi gegen Null. Die Kosten für eine Full Custom Gabel wollte ich mir erst mal ersparen, denn Handarbeit kostet eben - zurecht, aber das sollte erst meine letzte Option sein.



Surly Straggler Gabel im Originalzustand
Somit bin ich letztendlich bei der Surly Straggler Disc Gabel gelandet. Eigentlich die einzige Gabel welche mit den Maßen der Vaya-Gabel konform ging. Nebenher hat mir die gemuffte Bauweise mit der leicht klassischen Gabelkrone ähnlich der LC27 Crown und den gefälligen Ausfallenden ebenfalls gemufft doch ziemlich zugesagt. Die abgewinkelten Standrohre bringen in solchen Rohr-Durchmessern immer noch etwas mehr Stabilität, wie die geraden Standrohre der originalen Gabel. Alles Gründe mich für die Surly Straggler Gabel zu entscheiden. Abgesehen von der mageren Auswahl an 28" Gabeln mit den Einbaumaßen für mein Vaya, gibt es selbige mit 3 Bolt Mounts für einen Salsa Anything Cage HD z.B. schon gar nicht. Das bleibt den hippen Laufradgrößen -und Breiten vorbehalten. Pffffffff...

Genau, darauf pfeife ich doch mal ganz locker, denn was es nicht gibt, baut man eben selbst oder läßt es von fachmännischer Hand umsetzen. Und wenn ich das Bike schon komplett zerpflücke, war das schlichtweg eine paßende Gelegenheit die Gabel so etwas Bikepacking tauglicher zu machen - besser gesagt machen zu lassen. Somit blieb nur noch die Umsetzung durch einen erfahrenen Rahmenbauer. Punkt.

Über meinen Adapter für klassische Gabeln mit Lowriderösen für den Salsa Anything Cage HD hatte ich ja schon berichtet, welcher auch an die Surly Straggler Gabel gepaßt hätte. Das wäre wohl die unkomplizierteste Lösung gewesen welche auch funktioniert, aber nicht wirklich schön ist eben anders.




Surly Straggler Custom Gabel mit Gewindehülsen für 3 Bolt Mount und Standard Flaschenhalter



Surly Straggler Gabel nach Umbau
Durch meinen Freund Christoph bin ich, auf den Rahmenbauer Meerglas in Berlin ansäßig, aufmerksam geworden. Christoph hatte sich bei ihm einen 26" Randonneurs Rahmenkit - "The Golden One" - auf Maß bauen lassen und war völlig von den Socken. Als ich das feine Teil das erste Mal selbst in den Händen hielt, konnte ich seine Begeisterung absolut nachvollziehen. Grund genug für mich meine Gabel in die Hände von Thomas Becker zu übergeben. Nach ausführlicher telefonischer Beratung und folgender Übersendung der Surly Gabel, meiner Schablone für die Positionen der Gewindehülsen und diversen Zeichnungen, erhielt ich die umgebaute Gabel genau nach meinen Vorstellungen zurück und war selbst vom "unsauberen" Zustand schon seeehr angetan. Und nur mal am Rande - man möchte bei meiner ganzen Lobhudelei für Meerglas meinen, daß ich den Umbau gesponsert bekommen habe...aber weit gefehlt; das habe ich alles fein aus meiner eigenen Tasche gezahlt. Support ist kein Mord! Ich finde, solche kleinen Schmieden sollte man unterstützen soweit es einem möglich ist, denn vom Mainstream der Großproduzenten gibt es einfach schon zu viel!



Surly Straggler Gabel in neuem Lack & Lock



Zweifarbiges Finish

Surly Straggler Gabel nach Umbau mit neuer Zweiton-Pulverbeschichtung
Fertig gepulvert sieht das schon ganz anders aus und man könnte meinen, daß die Gewindehülsen von Haus aus schon zur Grundausstattung der Gabel gehören. Apropos Gewindehülsen und da ich es noch gar nicht erwähnt hatte; nach vorn wurden jeweils noch zwei davon eingelötet um einen Standard Flaschenhalter zu montieren. Gerade für mich als abendlicher Dusch-Fuzzi mit etwas mehr Wasserbedarf ist jeder zusätzliche Flaschenhalter essenziell ;-  >


Surly Logo

Streußelkuchen?
Die zusätzliche Halterung für die Hydraulikleitung der Bremse unter der Gabelbrücke und die abgetrennten Ösen für Schutzbleche und Lowrider an den Gabelscheiden, hab ich fast vergessen. Jetzt wo die Gabel gepulvert ist, muß ich selbst genau hinschauen was Original und was Custom ist. Hehe. Und klar, irgendwie hat die Gabel nun auch etwas von einem Streußelkuchen, aber die Erweiterung der Transportmöglichkeiten im Bikepacking-Modus machen das wieder wett!



Surly Straggler Custom Gabel mit Salsa Anything Cage HD


Surly Straggler Gabel mit Anything Cages HD und Flaschenhalter

Rundumansichten
Sämtliche Halter paßen wie ich es mir vorgestellt hatte. Die den Salsa Anyhting Cage HD hätte ich gern etwas weiter unten positioniert um den Kontakt mit den Bags am Unterrohr weitestgehend auszuschließen. Die Biegung der Gabel war ansich schon eine kleine Herausforderung um den Anything Cage halbwegs sauber anliegend an zwei Gewindepositionen zu verschrauben. Noch weiter unten angesetzt wäre das so nicht mehr möglich. Der Flex der Gabel im unteren Bereich ist auch wieder höher und nicht zu verachten, was die mechanische Belastung auf den Kunststoff des Anything Cage zusätzlich erhöhen würde.

Geringer Abstand zwischen Reifen und Salsa Anything Cage HD
Ok, ein bisschen Theorie und Praxis stehen sich hier nun gegenüber. Wirklich viel Platz ist mit 6mm zwischen Cage und dem Reifen nicht mehr. Nun gut, als ich die Maße nahm, hatte ich noch die 38er Challenge Gravel Grinder Race drauf. Diese habe ich mittlerer Weile durch die 42er Contis ersetzt, aber etwas mehr Platz dazwischen wäre sicher nicht von Nachteil. Ist halt, wie es ist und es funzt auch so. Wie das bei ner schlammigen Piste aussieht ist, wird sich zeigen...

Ganz nebenbei integriert sich das Surly-S unauffällig elegant in den Salsa Rahmen und mann könnte auch hier wieder meinen, es wäre nie eine andere Gabel eingebaut gewesen. Sowas aber auch.



Surly Straggler Custom Gabel mit Salsa Anything Cage HD und Alpkit Bags


Surly Straggler Gabel mit Anything Cages HD, sämtlichen Haltern und Alpkit Xtra Dry Bags

Rundumansichten mit 0,75l Trinkflaschen
Hier sieht man auch die erwähnte Einschränkung des Lenkereinschlages - zumindest bei standardisiertem dreimaligem umschlagen des Rollverschlußes der Dry Bags. Normales fahren mit den üblichen Lenkbewegungen auf ebenen Untergrund war bisher aber problemlos drin. Lediglich bei abruptem und heftigem Lenken habe ich eine Begrenzung des Lenkereinschlages festgestellt. Die Bags geben ja auch noch ein wenig nach. Klar, optimal ist das nicht, aber in Anbetracht der Möglichkeiten schon in Ordnung für mich. Weiter eingerollt kann ich dem Ganzen noch etwas mehr Luft geben und die Bags gleiten dann auch am Unterrohr vorbei.

Gute Paßform der Alpkit Xtra 5L Dry Bags im Anything Cage HD

Die hier verwendeten Alpkit Xtra 5L Dry Bags haben eine ovale Form und paßen mit der schmalen Seite perfekt in den Cage. So eingesetzt drücken sie auch nicht Richtung Reifen und verringern den geringen Abstand zum Reifen noch zusätzlich. Gesichert habe ich die Bags wieder mit den Exped 60cm Accessory Straps UL, da mir die originalen Salsa Gurte einfach zu schwer gängig und fummelig waren. Das nur mal am Rande. Die Flaschenhalter hingegen sind perfekt positioniert und nehmen auch locker Flaschen mit 1 Liter Inhalt auf. Hier stecken aber 0,75L Flaschen drin.



Cockpit & Co - Lenker die Vierte!



Ausladende Drops am Ritchey Venture Max

Rundumansichten des Ritchey Midge Bar
Eine der größten Baustellen für mich am Vaya! Mit dem Ritchey Venture Max probiere ich nach dem Satori Boon Docks, Salsa Woodchipper und Salsa Cowbell MD 3 nun schon den vierten Lenker am Vaya aus. Bisher sind meine Hände meißt schon nach kurzer Zeit in der Oberlenker-Bremshebel-Griffposition eingeschlafen. Zum Positionswechsel einfach nur den Oberlenker in der Geraden greifen geht mal kurz, aber für mich als oller Mountainbiker fühle ich mich selbst in 46er Lenkerbreite schnell eingeengt und auch diese Griffposition läßt meine Hände schnell wieder gribbeln. Also bleibt nur noch zur Abwechslung der Griff in die Hörner. Damit komme ich auch nur über eine gewisse Zeit zurecht. Trotz steilem Vorbau und Spacer kann ich darauf warten bis sich mein Rücken meldet. Und wenn ich schon in den Hörnern hänge, dann möchte ich nicht in den Drop greifen müssen um wieder die Hände nach dessen Biegung auszurichten. Das war bisher bei meinem bisherigem Salsa Cowbell MD3 Lenker der Fall, von dem ich anfangs doch recht angetan war. Im regelmäßigem Wechsel der Griffpositionen geht das schon irgendwie, aber so richtig zufrieden bin ich damit nicht wenn es ständig irgendwo zwickt. Selbst die Veränderung der Neigungswinkel der unterschiedlichen Lenker mit verschiedenen Positionen der Schalt-Bremshebel führten nur marginal zu Verbesserungen. Mein Komfortanspruch ist relativ hoch, da sich mein Rücken über die Jahrzehnte körperlich schwerer Arbeit nun immer öfter meldet. Leider. Daher versuche ich es nochmal mit einem Midge Bar ala Ritchey Venture Max auch wieder in 46cm Breite mit seinen leicht ausgestellten Drops und dem ergonomisch "flachen" Lenkerenden.


Salsa Gel Kork Lenkerband, BBB Lenkerstopfen & CK Aheadset Deckel
Das Gel-Kork Lenkerband von Salsa und die unterlegten Gel Pads von Fizik haben sich bewährt. Am Lenkerende wurden wieder Kunststoff-Lenkerstopfen mit Konusklemmung verbaut, aber diesmal von BBB. Der Salsa Guide Vorbau mit seinen 25° Steigung und 90mm Länge paßt nach wie vor. Der Supernova The Plug III Dynamolader hingegen mußte gehen und wurde durch einen leistungsstarken Forumslader V5 ersetzt. Gebremst und geschaltet wird weiterhin mit Schimano ST-RS685+BR-RS785 Schalt-Bremskombi. Lediglich die Schalthüllen -und Züge hab ich wieder durch das bewährte, aber ein neues Jagwire YPK Schaltzugset ersetzt.



Tacho mit Überblick


BC 23.16 STS Tachometer - überzeugend!
Nachdem mein VDO MC 2.0 WL entgültig den Geist aufgegeben hatte, war es wirklich nicht einfach eine adäquaten Nachfolger zu finden. Der Großteil sämtlicher Hersteller von Radcomputer setzten ab einem größeren Funktionsumfang und Display auf die Stromversorgung über einen integrierten Akku, welcher ausschließlich über USB zu laden ist. Das mag für diverse andere Verbraucher seinen Sinn haben, aber einen Tacho will ich einfach nicht jeden zweiten Tag ans Ladegerät hängen müßen. Ein oder zwei mal im Jahr die Batterie wechseln und fertig! Glücklicher Weise hat Sigma 2016 mit dem BC 23.16 STS genau so einen Tacho mit wechselbaren Knopfzellen in ihre neue Produktlinie aufgenommen. Zwei Knopfzellen wiegen kaum was und nehmen quasi kein Platz weg. War gut und bleibt gut! Dazu ein großes Display mit sämtlichen Werten von der Geschwindigkeit über die Höhe, Steigung und der momentanen Temperatur auf einen Blick. Der Funktionsumfang ist bei weiten noch viel größer, wozu auch die Speicherung der gefahrenen Touren und Übertragung per NFC mittels dazugehöriger App zählt. Größtenteils ist die Anzeige auf die favorisierten Werte auch in der Größe individualisierbar. Endlich wieder ein guter Tacho von Sigma nach meinen Ansprüchen :-  )

Einen äußerst umfangreichen Testbericht über den Sigma BS23.16.STS gibt es übrigens auf dem Blog von Planet-Fahrrad.de. Dort werden alle Funktionen ausführlich beleuchtet. Sehr informativ! 



Klingel mit Klang


Rockbros Klingel - erledigt ihren Job!
Ja und was natürlich überhaupt nicht fehlen darf, ist eine deutlich hörbare Klingel. Nach meinem Reinfall mit der Knog Oi Bell sollte es wieder ein bewährtes Klingelkonzept mit Glocke und Klöppel werden. Von den schlechten Erfahrungen mit der Oi Bell war ich erst mal gesättigt und hatte auf Originale keine Lust mehr was Klingeln betrifft. So ist es ein Klone der Spurcycle geworden. Die kleine Glocke macht unter dem Vorbau einen ziemlich Unauffälligen, hat einen lauten und hellen Klang. Geht doch - Binng! 


Antrieb mit mehr Performance


Ultegra Komponenten bringen einen deutlichen Mehrwert in ihrer Funktion
Hier hat sich doch deutlich die einfache Lagerung des 105er Shimano Schaltwerkes am Hauptbolzen und das daraus resultierend zunehmende Spiel gezeigt. Gerade der 11-fach Antrieb quittiert solche Toleranzen sofort mit trägem und ungenauen Schaltvorgängen. Der 105er Umwerfer wies hingegen überhaupt kein Spiel auf und hat unauffällig seine Arbeit zufriedenstellend verrichtet. Trotzdem habe ich bei Teile durch bewährte Shimano Ultegra Komponenten ersetzt. Insgesamt paßt das Ultegra-Grau nun auch besser zum neuen Finish des Rahmens. Siehe da, nun geht das Schalten für 11-fach Verhältnisse wieder knackiger und macht mehr Freude als zuvor. Ein neuer Kettenstrebenschutz war auch fällig. Leider habe ich mit den Fersen die selbstklebenden Seiten immer wieder hoch getreten, aber mit Kabelbinder-Tuning paßt es nun.

Die Ultegra CS-6800 11-fach Kassette -und Kette verrichten in Zusammenarbeit mit den TA Specialites Zephyr/Zelito Road Kettenblättern auf der Sugino XD2 Vierkantkurbel unauffällig aber zuverlässig ihren Dienst. Die Shimano PD-A600 Pedale laufen bisher sauber ohne Beanstandungen. Einzig ein Quietschen tritt immer wieder mal auf, was wohl an der Gummimischung meiner Schuhe in Bewegung auf dem Pedalkäfig anzulasten ist. Ein Tropfen Öl behebt das Problem zumindest für einige Zeit wieder. 

Was man nicht sieht ist das neue Innenlager. Hier hat das "edle" IRD Quad QB-75 schon frühzeitig Spiel bekommen und lief zunehmend rauer. Eine Enttäuschung auf ganzer Linie! Ersetzt habe ich es durch das klassische Shimano LX BB-UN55 4-Kant Innenlager. In meiner benötigten Breite von 113mm sitzt die Achse ebenfalls nahezu mittig (was beim 110mm Lager nicht der Fall ist), worüber ich mir bei der Erstausstattung gar nicht bewußt war da mir nur das 110er vorlag. So hätte ich mir das teure IRD Quad Innenlager gleich sparen können. Try'n Error! Wieder was gelernt, aber so sitzt einerseits die Kurbel für saubere Schaltvorgänge an der optimalen Position und anderer seits ist der Q-Faktor auch wieder im Lot!  


Bereifung mit Grip und mehr Breite für Komfort


Unerwartet positive Überraschung - Continental SpeedRide Puncture Protection 42
Meine Challenge Gravel Grinder Race haben sich Ende letzten Jahres schlagartig auf Tour verabschiedet, wozu es demnächst noch einen Testbericht hier im Blog geben wird. Spontan bin ich einfach auf den etwas breiteren Continental SpeedRide Puncture Protection in 42mm Breite umgestiegen. Der Umstieg hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Mehr Komfort, mehr Grip, alles mehr und mit gerade mal 430g immer noch recht leicht. Bisher top Performance!

Bei den Laufrädern ist alles beim alten geblieben. DT Swiss TK 540 Disc FelgenDT Swiss Competition Speichen, Hope Pro 2 EVO Disc Nabe hinten und den Schmidt SON 28 Nabendynamo vorne. Bewährt stabil und hält!


DT Swiss RWS Schnellspanner für ein Quäntchen extra Steifigkeit


DT Swiss RWS MTB Schnellspanner für mehr Steigigkeit
Um primär noch ein Quäntchen mehr Steifigkeit speziell in die Gabel zu bringen, habe ich den Laufrädern die DT Swiss RWS MTB Schnellspanner spendiert. 

Was noch bleibt ist der Sattel und die Stütze. Hier ist auch alles beim alten geblieben. Procraft Sport Touring Gel Sattel, Thomson Elite Setback Sattelstütze gewürgt vom Thomson SeatPost Collar. Ergonomie und Paßform sind in der Kombi recht stimmig für mich.




Unterm Strich


Mit diesen Umbauten am Salsa Vaya bin ich nun schon wieder seit zwei Monaten unterwegs und konnte mir zum Teil schon einen recht guten Eindruck über die Notwendigkeit meines Tuning, der Umbauten und ein Funktionsplus machen. Andere Dinge brauchen noch Zeit für ein abschließendes Résumé...



Mein Vaya macht mit dem neuen Finish nun wirklich einen dezenteren Eindruck und wirkt bei genauerem Hinsehen sogar etwas edel. Im Sonnenlicht kommt der Glitter im Blau richtig zum Ausdruck und verleiht dem Vaya auf diese Weise einen speziellen Lock. Understatement ohne Verzicht auf Ausdruck!



Die Gabel war bis zur ersten Fahrt die größte Unbekannte. Mit dem Zusätzlichem Umbau von Meerglas quasi ein doppeltes Risiko. Einerseits hatte ich große Hoffnung mit der Surly Stragger Gabel das Stempeln beim Anbremsen im Gelände in der Griff zu bekommen. Anderer seits konnte ich die richtige Positionierung der Salsa Anything Cage HD auch erst an der fertigen Gabel abgleichen. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch!


Vorab: Die Surly Stragger Gabel hatte bei meinem Verwindungstest im Schaubstock schon mal einen deutlich steiferen Eindruck hinterlassen, wie es die originale Salsa Gabel tat. Das hatte mich doch schon etwas hoffen lassen. Leider hat sich schon bei der ersten Probefahrt im Gelände auf uneben Untergrund wieder ein Stempeln der Gabel beim Anbremsen abgezeichnet. Nicht in dem Maße, wie es bei der originalen Gabel der Fall war, aber doch deutlich spürbar. Auch in dem Fall wieder Versuch und Niederlage! Leider. Ob die DT Schnellspanner ihren Teil für etwas mehr Steifigkeit beigetragen haben, kann ich nicht beurteilen, aber der Gesamtstabilität im Nabenbereich ist deren Klemmmechanismus mit Sicherheit zuträglich. Nunja, ändern kann ich es nun auch nicht mehr, aber zumindest habe ich versucht das Problem anzugehen. Die Verwendung von unterschiedlichen Bremsbelägen hatte in der Vergangenheit auch keine Verbesserung gebracht. Einzig die Verwendung von anderen Bremsscheiben wäre wohl vor einer Full Custom Gabel die letzte Budget-Option das Stempeln in den Griff zu bekommen. Habs zumindest mal auf meine Agenda gesetzt...


Wie die montierten Salsa Anyhing Cages DH mit der mechanischen Belastung durch den Flex der Gabel zurecht kommen ohne darunter ihren Dienst zu quittieren, ist bisher auch nur der Blick in die Glaskugel.



Der Antrieb fühlt sich nun mit den präziseren Ultegra-Komponenten wieder etwas spritziger an und läßt sich für 11-fach recht präzise schalten. Den Unterschied habe ich ganz deutlich am Schaltwerk wahrgenommen. Shimano Ultegra und XT Komponenten sind halt eine andere Liega in puncto Schaltpräzision, wie sämtliche Gruppenparts darunter. Ergo; die Gänge lassen sich hinten und vorne sauber hoch wie runter schalten, auch wenn das Schaltwerk die Kette mit etwas Verzögerung auf das nächst höhere Ritzel hebt. Insgesamt aber im grünen Bereich.



Mit dem Ritchey Venture Max gebe dem Lenkertype Midge Bar nun die letzte Chance am Vaya. Die leicht ausgestellten Drops mit der größeren Grifflänge und der ergonomischen Erhöhung, welche ich den Handinnenflächen erst mal angenehm liegt, bringen hier schon mal eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Salsa Cowbell MD 3. Die Breite von 46cm bleibt aber und ob ich mich daran irgendwie noch gewöhnen kann, wird sich zeigen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht wirklich daran, aber einfach so die Flinte ins Korn werfen will ich auch wieder nicht.



Die Continental SpeedRide Puncture Protection Reifen haben mich insgesamt am meisten überrascht. Meine bis zum Ausfall sehr gut laufenden Challenge Gravel Grinder Race waren zu der Zeit überall ausverkauft und eine Alternative mußte her. Bis Anfang der 2000er hatte ich auf meinen Mountainbikes fast durchweg Reifen von Conti gefahren, bis ich irgendwann die Pannenanfälligkeit satt hatte und zu Schwalbe wechselte. Damals hatte der Reifenhersteller vergleichsweise wirklich die Nase vorn. Bei den Schlappen bin ich bis vor kurzem auch geblieben ohne groß über den Tellerrand zu schauen. Da die Qualität von meinen verwendeten Schwalbereifen in den letzten Jahren massiv zu wünschen übrig ließ, habe ich mich wieder mal bei Conti umgesehen und wurde mit dem 42er SpeedRide fündig. Auf losem Untergrund deutlich spürbare Traktion, präzise Rückmeldung der Bodenbeschaffenheit und merklicher Komfort durch die Breite des Reifen. Leises Abrollverhalten, guter Kurvenhalt und fast schon klebrig auf Asphalt. Kurzum - bisher top Performance! 



Sämtliche anderen Parts erledigen unauffällig ihre Arbeit ohne signifikante Auffälligkeiten. Ansich wäre die Funktion aller Parts am Bike der Optimalzustand, aber wiederum äbe es dann auch nichts mehr zu tunen ;-  >


In wieweit meine Optimierungen an meinem Salsa Vaya funktionieren, wie und ob ich mit meinem Gravelbike/Bikepacking Wollmilchsau-Konzept ins Reine komme, wird diese Saison zeigen. Der nächste Winter kommt bestimmt! Spätestens dann wäre wieder ausreichend Zeit für Veränderungen und Ideen spuken mir mehr als genug im Kopf herum...




Hier geht es zu den einzelnen Artikeln des Salsa Vaya Custom Gravelbike Aufbau:

 


Nässe, Schlamm und steile Anstiege - Bikepacking vom Vogtland nach Thüringen


Irgendwie war ich schon ganz juckig, denn im März beginnt für mich nach dem leidigen Winter die Bikepacking-Saison. Im Kopf spukte mir schon länger der Gedanke, mal eine Tour durch oder von dem Vogtland aus zu machen. Und klar - wohlwissend das es dort Höhenmeter mäßig ordentlich auf die Fresse geben kann, habe ich einfach beschloßen an drei Tagen von Klingenthal nach Erfurt zu fahren. Geplant hatte ich die Strecke mit Bikemap weitestgehend über unbefestigte Wege um den Asphalt Anteil möglichst gering zu halten; Mountainbike like um meinem Simplon LEXX mal wieder etwas Auslauf zu bieten. Bei der Streckenplanung kamen ca. 200km raus, was in drei Tagen zu schaffen sein sollte.

Ok, also stand das schon mal fest. Der März ist allerdings auch nicht unbedingt für seine Wetterstabilität bekannt. Dem aktuellen Wetterbericht zu Folge sollte Ende März tatsächlich eine Woche mit Sonnenschein und Frühlingserwachen zu erwarten sein. Also gebongt, die drei voraussichtlich Sonnen lastigsten Tage raus gepickt und die Tour stand. 

Mit dem ersten Zug ging es ins Obere Vogtland und nach knapp vier Stunden War ich am Bahnhof Klingental an der Tschechischen Grenze. Alles noch mal kurz checken, tief Luft holen und auf Stollenreifen ab ins Vogtland!



Bikepacking vom Vogtland nach Thüringen


Tag 1  Klingenthal - Elsterberg (Kriebelstein) 

 

Ankunft Klingental Bahnhof
Naja, so richtig nach Sonnenschein sah es auf den letzten Kilometern im Zug Richtung Klingental nicht aus, aber es sollte erst im Laufe des Tages aufklaren. Also das Bike und mich nochmal kurz auf Funktion geprüft und schon konnte es los gehen.

Ausfahrt oberhalb von Klingental
Eines vorweg - hier geht es ganz trocken ohne Vorankündigung richtig zur Sache. Auf den ersten zwei Kilometern ging es - zwar noch auf Asphalt - aus der kalten heraus gleich schon mal gut 100hm hoch. Immer wieder "schön", wenn das Laktat ungebremst in die Muskeln schießt....an solche Anstiege werde ich mich im laufe der Tour noch gewöhnen müssen. Damit arrangieren ist wohl treffender. Höhenmeter gibt es eben nicht geschenkt, aber daß wußte ich auch schon vorher ;-)

Steile Anstiege mit Spuren der Forstwirtschaft
Als erste Zwischenetappe hatte ich Schöneck auf dem Schirm. Der Asphalt war erst mal Geschichte. Die knackigen Anstiege nicht. Hier hat mir das Vogtland schon mal ganz eindeutig gezeigt, wo der Frosch die Locken hat. Das Fahren, wenn man es so nenne möchte, war hier nur mir viel Akrobatik und Schweiß möglich. Mehr so eine Gratwanderung zwischen durchdrehendem Hinterrad beim Aufstieg aufs Bike und steigendem Vorderrad beim Antritt. Eieiei.

Kleine Restschneefelder
Winterspuren selbst auf dem Wasser
Nachdem ich mich nun mit der Topographie ein wenig bekannt machte, haben einige letzte Überbleibsel des Winters den Frühling erst mal in Frage gestellt. Achja und übrigens; wo ist eigentlich das angekündigte Frühlingswetter mit Sonne und so?

Ruh dich eweng aus!
Grüne Waldgasse
Bisher war es ohne Lücken trist und grau. Es ging knackig auf Waldgassen hoch und wieder runter. Selbst der Aufforderung mal ne Pause zu machen bin ich nicht wirklich gefolgt. Hmm, ich hatte zwar völligen Bock auf die Tour, aber das stetig drückende Grau vom Himmel mit Baum umsäumten Wald -und Forstwegen ohne wirklichen Ausblick drücken schon irgendwie auf die Stimmung.

Pflasterweg für ein wenig Entspannung
Zur Abwechslung ging es mal ein Stück über gepflasterten Untergrund mit der Feststellung, daß mein Fully ganz gut rollt, wenn die Reifen nicht im feuchten Boden einsinken.

Schlammige Waldpiste mit Durchfahrtsverbot...
Der von der Schneeschmelze und dem intensiven Niederschlag der letzten Tage voll gesogene Untergrund hatten bis dato ordentlich Körner gekostet. Die Reifen haben sich quasi bei jeder Umdrehung in den Boden gedrückt und der Tritt auf die Pedale hatte mir jetzt schon merklich Saft aus den Beinen gezogen. Selbst auf vermeintlich festen Forstwegen hatte ich das Gefühl wie auf Kleber zu fahren.

Vogtländischer Kobold, Waldgeist, Knom?
Was der Kobold mit seiner Gestikulierung ausdrücken möchte, weiß ich nicht, aber er stand halt so am Wegesrand und meint  wohl, daß ich einfach dran bleiben soll...

Grün & Grau. Drückende Stimmung.
Gesagt, getan. Endlich gab es nach langen auf und ab auf Forstwegen einen ersten kleinen Blick ins Erzgebirge. Hier hat das Grün den ganzen Niederschlag definitiv dankend angenommen. Der Himmel blieb leider immer noch Grau.

Talsperre Pöhl
Schönau hatte ich schon längst tangiert und über Neustadt, vorbei an Bergen stand ich nun an der Talsperre Pöhl. Alles so kleine Orte, daß ich diese teilweise als solche nicht wirklich war nahm und schon wieder durch war, was mir um Längen lieber ist, wie mich durch eine überlaufene Stadt mit Orientierungsnot zu quälen. Leider war noch immer alles Grau in Grau, was nun etwas auf meine Laune drückte und nebenher hat sich noch mein Magen gemeldet. Das geht so nicht!

Kohlehydrate nachfüllen beim Bäcker
Den Kochkrempel bei dem ungewissen Himmelsaussichten wollte ich auch nicht raus kramen und so kam mir in  der Bäcker in Thoßfell gerade recht. Unterwegs hatte ich schon mein letztes Brötchen für die Zugfahrt rein geschoben, aber das war bei den Kraft zehrenden Anstiegen auf den letzten 50km im Matsch einfach zu wenig. Drei verdammt gute Kürbiskernbrötchen später ging es mit meiner Moral wieder etwas bergauf.

Dunkle Aussichten
Die Sonne wollte sich bisher einfach nicht zeigen. Ganz im Gegenteil - der Himmel zog sich immer weiter zu. Hier hat der Wetteronkel bei seiner Prognose ziemlich daneben gelegen. Mit Temperaturen um 6°C und dem ein oder anderen Windchen auf den Pässen auch nicht wirklich sehr erquickend. Was solls. Ist halt so, aber eben nicht soo schön wie erwartet.

Wo ging es nochmal lang?
Also weiter ins Unterholz. Immer schön dem Tack auf dem Düdellidü folgend. Orts auswärts ging es natürlich erst mal wieder knackig hoch und wenig später verschwamm der Weg immer mehr mit den Waldstrukturen, bis er irgendwann nicht mehr zu erkennen war. Das dieser Abschnitt schon lange nicht mehr benutzt wurde, war offensichtlich und leider in der Datenbank von Bikemap als "Mountaibike tauglich" hinterlegt. Verdammt! Den letzten Anstieg wieder runter wollte ich auch nicht und so hab ich mich eben dort durch gewuschtelt. Irgendwie schiebend, kniend, laufend und bisweilen auch fluchend. MANN!

Wasserversorgung auf dem Friedhof Brockau
Nach dem Orientierungslauf stand ich dann wieder auf nem Forstweg. Nun aber! Es war mittlerer Weile schon nach Fünf und bis zur Dämmerung hatte ich nur noch eine gute Stunde. Zeit um Wasser zu organisieren, Zeit um ein Plätzchen für die Nacht zu finden und Zeit um mich einzurichten. Die Wasserversorgung hatte ich kurzer Hand auf dem Friedhof in Brockau erledigt. Hier bin ich quasi direkt vorbei gefahren und ein Friedhof ist fast immer eine feste Bank in puncto Trinkwasser. Somit war das schon mal geklärt, aber gleichzeitig nahm der Wind zu, schwarze Wolken zogen auf und es begann schlußendlich zu regnen. Hätte mich auch gewundert, wenn es nach dem grauen Tag noch mal aufgeklart hätte.

Gamaschen für trockene Füße
Genau in diesem Moment habe ich es nicht bereut, meine Regengamaschen eingepackt zu haben. Also schnell drüber gezogen, die Windjacke noch gegen die Regenjacke getauscht und der Regen kann kommen. Nee, lieber nicht, aber ändern kann ich's ja auch nicht. Der Wind hatte hier oben nun schon ordentlich gepfiffen und durch mein rumstehen war ich schon etwas ausgekühlt. Ganz schön eigentlich, denn ein paar Minuten wollte ich mir mit der Hoffnung noch geben, das Tief würde schnell vorbei ziehen und...naja, Schönmalerei. Der Himmel hatte sich immer mehr zu gezogen und zunehmend ins Gelände gekotzt. So wars halt. Da half weder warten noch hoffen etwas. Kalt wars auch und ich mußte los; wohin auch immer...

Kurz vor der Dämmerung Regen und aufgesetztes Lächeln
Also weiter dem Track folgen. Klar, dafür isser ja da, auch wenn die Wegeführung manchmal Fragen aufwirft.  Allzulang wollte ich bei dem Pißwetter aber auch nicht mehr fahren. Jetzt mußte ein Plätzchen für die Nacht her! Kurz hinter Coschütz bot sich ein kleines Waldstückchen an, aber leider so abschüßig gelegen, daß ich hier im stehen hätte schlafen können. Es war schon nach sechs und mir hing echt die Zeit im Nacken. Bei Regen im dunklen alles aufbauen wollte ich nach dem heutigen Tag schon gar nicht. Überhaupt nicht! Was solls, viele Möglichkeiten gabs hier erst mal nicht und so hab ich mich trotzdem erst mal in das kleine Waldstück rollen lassen.

Ebene Fläche auf dem Elsterberg
Glück im Unglück oder so. Einmal quer übers Feld, den nächsten Weg angepeilt, noch mal den gefühlt 25% Uphill mit durchdrehendem Reifen hoch gequält - plötzlich stand ich an einem Aussichtspunkt. Hä? Ebene Fläche, Sitzgelegenheit mit Dach und Blick auf Elsterberg. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet und obwohl ich solche öffentliche Plätze für eine Übernachtung  weitestgehend meide, war ich in dieser Situation total froh über die feine Location. Nach so einem Tag dann in letzter Minute doch noch mal eine kleine Belohnung für die Wetterkapriolen? Sah ganz danach aus, aber nun hatte mir die zunehmende Dämmerung mit dem beständig zunehmenden Regen nicht mehr viel Zeit gelassen alles aufzubauen. Gesagt, getan; wahrscheinlich hab ich hier meine persönliche Bestzeit aufgestellt. Durchnässt, zitternd und etwas angepißt. Bei dem Wetter nicht verwunderlich, aber eine schön warme Bikepacker Dusche sollte meine Stimmung wieder etwas ins Gleichgewicht bringen. Nebenher hatte dafür schon der Kocher das Wasser auf Temperatur gebracht. Mit dem letzten Tageslicht hatte ich mich abgetrocknet und bin bei 5°C ins Tarptent gezittert. Ja, gezittert. Brrrrr.

Kartoffelpüree macht gute Laune!
Schnell noch die Schlafmontur über gezogen und mit der Wärme kam langsam das Wohlbefinden zurück. Die heutigen 61km mit 1029hm sind nicht gerade der Kracher, waren aber unter bescheidenen Bedingungen verdammt Kräfte raubend. So stellte sich mir auch die Frage, ob ich mit so einem bescheidenen Tagesschnitt überhaupt in drei Tagen bis nach Erfurt schaffe. Hmm, aber darüber zu sinnieren fehlte mir jetzt der Nerv. Der Regen prasselte unterdessen pausenlos aufs Tarptent, was mir in dem Moment genauso Rille war! Morgen ist ein neuer Tag, das Regen-Tief ist durch und dann wird alles besser...wird es?

Egal, die drei Bötchen von vorhin waren schon wieder komplett verbrannt und ich hab mich wie Bolle auf eine dicke Portion Kartoffelpüü mit Röstzwiebeln und Würstchen gefreut. Aber wie! Zweifix war die Kolehydratbombe angerichtet. Mit dem Topf in der Hand bin ich langsam in die Waagerechte übergegangen und hab genüßlich die heiße Köstlichkeit in mich rein gelöffelt. Bei dem ganzen Genuß sind mir auch schon mal die Augen zu gefallen. Dabei war es doch gerade erst 19Uhr durch, aber mein Tag hatte 4Uhr begonnen und der Rest ist ja bekannt.

Also noch genüßlich aufgefuttert, ein paar Notizen zum Tag gemacht und nach dem Zähne putzen war ich dann wirklich platt. Obwohl es erst gegen Acht war, bin ich bei dem tröpfelnden Regen-Schlaflied ziemlich schnell eingeduselt.



Tag 2   Elsterberg (Kriebelstein) - Krölpa (Hausberg)

 

Morgengrauen nach regnerischer Nacht
Der Regen hatte irgendwann am Morgen aufgehört. Bis dato hatte er teilweise heftig aufs Tarptent geprasselt und mich immer wieder aus dem Schlaf geholt. Insgesamt eine unruhige Nacht.

Ausrüstung trocknen...
Gegen Sieben hatte ich lang genug in der Waagerechten gelegen und es war Zeit meinen Übernachtungsplatz mal genauer zu betrachten. Dabei gleich mal das ganze nasse Geraffel sortiert und zum trockenen aufgehangen. War echt nötig. Nachdem der Schlafsack auch im Wind wehen durfte, trauten sich tatsächlich die ersten Sonnenstrahlen hinter den Wolken hervor - so kann der Tag beginnen. Sollte das nun der vorhergesagte Schönwetter-Frühlingstag(e) werden? 

Frühstück mit der Sonne im Rücken
Die wärmenden Sonnenstrahlen hatte ich als Frostbeule bei gerade noch 3°C förmlich aufgesogen und stand wie ein Erdmännchen angetackert auf dem Aussichtshügel. Das war nach der ganzen Feuchtigkeit ne echte Wohltat. Ok, aber mittlerer Weile war es nun schon halb Neun durch und Zeit für was zu beißen. Tja und wenn schon mal da, dann nimmt man doch die praktische Sitzgruppe gerne fürs Frühstück in Anspruch. Frühstück wie immer; quasi mit Naan Brot, Greußener Salami und Knoppers. Dazu nen Käffchen und der Nitro war wieder auf'm Dampfer :-  )

Platten!
Jetzt nur noch schnell zusammen packen und los. Ha! Platten!! Prima, das auch noch; der Morgen hatte doch so gut angefangen. Irgendwo auf dem letzten Stück gestern übers Feld hatte sich wohl ein Dornen den Weg in den Reifen gesucht und für einen Schleicher gesorgt.

Mobile Werkstatt
Nützt ja nüscht, aber gleich mal am Morgen nen verschlammten Reifen von der Felge zu ziehen ist auch nicht sonderlich motivierend. Noch weniger motivierend ist es allerdings, wenn die Minipumpe nicht richtig funktioniert und den benötigten Druck in den Reifen bringt. Hier habe ich mich mal voll und ganz auf die Funktion der Pumpe verlassen ohne diese vorher auszuprobieren. Nun fahre ich schon so lange Rad und hätte es eigentlich wissen müßen, daß man so ein essentielles Werkzeug vorher auch mal testen soll. Hat bisher halt immer mit meinen verschiedenen Pumpen über die Jahre funktioniert, aber mit dem Teil eben nicht. Wahrscheinlich brauchte ich d.b. mal nen Rüttler, aber Kacke isses in dem Moment trotzdem. Ahhrg!

Bis zur nächsten Tanke - nur nicht das Hinterrad belasten!
Naja so habe ich mit ach und Krach 1bar in den Reifen bekommen. Das hat mich wahrscheinlich einige graue Haare und vor allen einiges an Zeit gekostet. So war es schon halb Zehn, also fix das feuchte Geraffel ans Bike geschnallt und gaaanz sanft talwärts gleiten lassen. Durch Elsterberg mußte ich sowieso und mit der Hoffnung dort an einer Tanke vorbei zu kommen ging das schon irgendwie.

Der Himmel zieht sich wieder zu
In der Tat war mir das Glück hold und die Tanke lag fast auf dem Weg. Zack und der Reifen hatte wieder Betriebsdruck. Check! Leider hatte sich unterdessen die Sonne wieder hinter den Wolken versteckt. Wie? Was denn nun? Aber heute sollte es sich lt. Wetterbericht mit dem Regen erledigt haben...

Klebriger Anstieg
Danach sah es wirklich nicht aus. Ab und zu streckte die Sonne nochmal ihre Fühler aus, aber mehr eben nicht. Was blieb, waren die Anstiege und die nun gewohnt knackiger Manier. Der klebrige Untergrund tat sein übriges dazu bei und wollte die Reifen einfach nicht so richtig rollen lassen.

Auf dem Dach des Voglandes
Das war wieder ordentlich Arbeit und so wirklich Spaß an der Tour kam bisher nicht auf. Immer wieder eine Selbsterfahrung, wie sehr doch die äußeren Umstände zum Wohlbefinden und dem Spaß auf einer Tour beitragen. Davon hätte ich mir in dem Moment gerne mehr gewünscht, aber war halt nicht.

Stille am See
Kleine Seen gab es hier unerwartet viele. Das glatte Wasser hatte ab und an meine innere Unruhe bei einem kurzem Stopp wieder ein wenig ins Gleichgewicht gebracht. Zumindest für den Moment. So ein Blick über die Wasserfläche mit spiegelndem Reigen bei völliger Ruhe hat schon was. Ist ja auch einer der Gründe, warum man solche Touren in die Natur unternimmt.

Auf dem Weg nach Thüringen
Das wars dann aber auch schon wieder mit der Entspannung und es ging mal wieder kerzengerade aus. Nicht steil, aber beständig und matschig sowieso. Das Sächsiche hatte ich nun verlassen und habe kurz vor Tremnitz wieder Thüringer Boden befahren. Hmm, die Wege waren hier auch nicht besser...

Kerzengerade Forstwege
Tjoa und drüben wieder unter. Das Spiel des Tages; mal steil und knackig, mal lang gezogen aber beständig. Nun fällt mir selbst schon auf, daß ich nur am mosern bin. Bin ich? Sieht so aus, aber die Route hat bisher derbe an meiner Verfassung gezehrt und der nun wieder einsetzende Niesel sowieso.

Blick zurück ins Vogtland
Nachdem ich mittlerer Weile Zeulenroda tangiert und nach diversen Waldautobahn-Kilometern mal wieder freien Blick zurück ins Sächsische Hügelland hatte, fand ich mich damit ab, daß es mit Schönwetter Essig ist und mir wars dann auch irgendwie Wuscht!

Düstere Stimmung an der Talsperre Zeulenroda
Bis zur Talsperre Zeulenroda gings erst mal ein paar Kilometer einem flowigen Trail runter. Das hab ich zur Abwechslung mal genossen und ordentlich die Kuh fliegen lassen. Mit sechzig Sachen und Bikepacking-Geraffel an der Karre durch den Wald knallen hat schon seinen Reiz. Manchmal kommt halt doch noch der olle Downhill-Mountainbiker in mir durch. Yeaah!

Mittagspause
Nach dem Überqueren der Talsperre hatte sich nun immer energischer mein Magen zu Wort gemeldet und auf dem teilweise verwaistem Wanderweg analog und spürbar meine Leistung nachgelassen. Das was ich eigentlich immer zu vermeiden versuche: Ich hatte schlagartig nen fetten Hungerast und meine Beine waren schwer wie'n Gullideckel!

Ursprünglich wollte ich mir im letzten Ort beim Fleischer was schnelles zu beißen für unterwegs holen, aber nen Fleischer gabs nicht. Dafür nen Bäcker und d.b. bin ich ja auch kein Kostverächter. Schnurstracks rein in den Laden und ne ordentliche Ladung gebunkert. Für solch sensible Fracht bewährt sich mein Rucksack immer wieder. Wüßte gar nicht, wie ich solche Leckereien sonst schadenfrei transportieren sollte. Nuja, nebenbei hat mir das nette Bäckersfräulein meine Wasserflaschen auf mein freundliches Nachfragen aufgefüllt. Smalltalk-Taktik. Hehe.

Ok, es war nun schon nach halb Zwei und die nächste Bank definitiv meine. Nen Reisgericht später ging es mir schon besser aber nun begann es wieder stärker zu tröpfeln. Egal, der Kaff und die Kuchenladung mußte jetzt auch noch rein. Dann halt Regenjacke an und mich in Ignoranz üben. Mit was Heißem und Süßen zwischen den Zähnen ging das eigentlich ganz gut.

Schiebepassage mit vollen Magen
So, mit derbe gefülltem Verdauungsbereich durfte ich gleich mein Bike mal wieder stramm bergauf wuchten. War mir aber auch egal. Gleichgültigkeits-Taktik. Hehe.

Erschwertes Vorankommen
Und wieder im Wald ging es über brutale Wurzelpisten und die Forstwirtschaft hat ja noch nie die Wegeführung und deren Barrierefreiheit interessiert.

Kleine Seen auf den Wegen
Regen, Regen, Regen. Der Boden konnte den dauerhaften Niederschlag gar nicht mehr aufnehmen. Fahren war hier undenkbar und so stand wieder mal schieben auf dem Programm. Ansich war es mehr so ein vorbei geeiere ohne nasse Füße zu bekommen. Übungssache.

Spuren der Forstwirtschaft machen das Vorankommen nicht einfacher...
Das ganze Schlammgebolze, die heftigen Anstiege, der saugende Untergrund, Schiebe -und Tragepassagen hatten mir so sehr den Saft aus dem Körper gezogen, daß nun langsam Zweifel in mir aufkamen ob ich die Strecke in drei Tagen überhaupt schaffen werde wenn das so weiter geht...solche Gedanken eben, wenn man voll im Arsch ist und dabei hatte ich gerade mal 60km in den Beinen, aber was für welche...

Gamaschen - Perfekter Schutz bei dem Schlamm!
Die waren zumindest und dank Gamaschen ausreichend vor Feuchtigkeit geschützt und stets schön warm. Hier habe ich mich nochmals bei mir selbst bedankt, die Gamaschen trotz Zweifel eingepackt zu haben. Danke!

Problemlose Wasserversorgung an der Tankstelle
Punkt Fünf bin ich nach einer langen und schlammigen Abfahrt direkt am Ortseingang von Ranis raus gekommen und mein erster Gedanke galt dem Wasser für die Nacht. Die Tanke in Sichtweite bot sich selbstredend dafür an. Auf Nachfrage hatte mir die freundliche Pächterin auch hier meinen gesamten Wasservorrat aufgefüllt. Also der Wassernachschub war heute völlig unproblematisch und wieder mal auf den Punkt. Wenn das Wetter noch mitspielen würde...naja...

Wassertransport am Bikepacking-Cockpit
Ein paar Kilo schwerer bin ich dann ein entspannendes Stück auf Asphalt durch Ranis gerollt. Einfach mal treten und ein Stück ohne große Krafaufwendungen rollen, hat zu Abwechslung richtig gut getan.

Der Regen hatte unterdessen erneut zu genommen und so richtig Lust noch viel länger bei dem Wetter zu fahren, hatte ich nicht. Die Dämmerung kündigte sich auch so langsam an oder war das nur der dunkle Himmel? Wie auch immer, jetzt wieder raus aus dem Ort und die nächste Gelegenheit für ein Nachtlager wollte ich auch unter Kompromissen nutzen.

Nachtisch!
Schneller wie gedacht, hatte sich schon einige Kilometer weiter oberhalb von Brandenstein ein perfektes Plätzchen mit ebener Wiese aufgetan. Etwas abgelegen des Feldweges, umrahmt von einer Anhöhe mit Bäumen und möglichem Ausblick ins Land. Fast schon perfekt für ein Nachtlager, wenn nicht alles so grau und feucht wäre. Egal, das noch nasse Tarptent stand in Minuten und der Rest war auch in kurzer Zeit fertig für die Nacht. Eine kurze Regenpause hatte ich noch für ne Dusche genutzt und mich wieder schnell in meine Bleibe verkrochen. Punktlandung!

Und klar; es begann wieder zu regnen, was mir für den Moment wieder mal so richtig schnuppe war. Ich war im "trockenen", frisch geduscht und der Kocher säuselte schon vor sich hin. Nach dem obligatorischen Kartoffelpüü gab es als kleine Belohnung noch einen doppelten Schlemmerpause Pudding. Trotz miesem Wetter und zehrenden auf und ab über den Tag, war ich in dem Moment trotzdem zufrieden. Was doch ein Dach über dem Kopf, bei einer warmen Mahlzeit mit den Füßen im Schlafsack steckend für ein Glücksgefühl auslösen kann, verwundert mich selbst immer wieder.

Meine Tagesstrecke über 65km und 1016hm war fast analog mit der gestrigen. Bedeutete aber auch, daß ich am nächsten Tag noch eine Schippe drauf legen muß, wenn ich noch vor der Dämmerung in Erfurt ankommen möchte. Das wollte ich aber erst am nächsten Tag entscheiden und b.B. noch eine Nacht dran hängen. Den Blick auf die Wetter-App hatte ich mir bewußt erspart. Ändern konnte ich es sowieso nicht und mit unschönen Aussichten für den nächsten Tag wollte ich auch nicht einschlafen. Vermeidungs-Taktik. Hehe.

Also fix noch ein paar Notizen vom Tag gemacht, die Mails gecheckt und gegen Neun war ich dann auch durch. Der Regen prasselte nun wieder heftiger aufs Tarptent. So sehr das feuchte Nass über den Tag zur Last wurde, so entspannend wirkte es für mich nun beim Einschlafen. Paradox. Meine Gedanken kreisten noch ein wenig über die Tagesgeschehnisse und dem morgigen Tag, aber kurz darauf war ich auch schon wieder tief im Schlaf.



Tag 3  Krölpa (Hausberg) - Erfurt

 

Keine Wetterverbesserung am nächsten Morgen
Über Nacht hatte der Regen nachgelassen, aber ein leichter Niesel war immer noch beständig. Die Nacht war so lala. In stärkeren Regenphasen wurden immer wieder mal einige Kondenztropfen von meinem Singlewall-Shelter abgeschlagen und sind mir auf die Nase getropft. Für mich als Rückenschläfer natürlich nicht so schön, aber bei solch feuchten Bedingungen auch nicht vermeidbar.

Keine positiven Aussichten
Nunja. Leider war der Himmel immer noch komplett Wolken verhangen. Keine Guten Aussichten für den Tag. Es war gegen halb Acht und der erste Blick aus dem Tarptent war nicht sonderlich Stimmungs fördernd. Wirklich raus wollte ich nicht und richtig aufraffen konnte ich mich bei diesen Aussichten auch nicht so recht. Es dauerte etwas, bis ich dann wirklich aus dem Schlafsack gekrabbelt war. 

Frühstück - Kaffee muß sein!
Bei einem Käffchen hatte ich doch mal einen Blick auf das Regenradar geworfen, und wurde enttäuscht. Die Regenfront sollte noch bis zum Mittag über Thüringen ziehen.

Spuren der Regennacht
Mit solchen Aussichten stand für mich nun auch fest, daß ich die restlichen ~80km der Tour bis nach Hause irgendwie durchdrücken werde. Auf eine weitere Nacht hatte ich einfach keine Lust mehr.

Auslüften ohne Erfolg
Startbereit!
Nach ausgiebigem Frühstück war das feuchte Geraffel wieder verstaut und ich gegen halb Zehn dann startbereit für den Tag.


Aussicht ins Thüringische, wenn es eine wäre...
Was für eine Aussicht, wenn sie denn möglich wäre. Oberhalb von Krülpa führte die Route über kleine Anhöhen mit traillastiger Abfahrt direkt in den Ort.

Trailspaß am Morgen
Trotz Kackwetter hatte ich hier zum Einstieg in den Tag einen flowigen Trail vor mir. Ok, es waren gerade mal 4°C und ich eigentlich noch kalt wie ne Schlage am Morgen, aber den fluffigen Downhill hatte ich mal so richtig genossen. Sauber!

Gewohnte Steigungen
Runter geht es leider schneller wie hoch und so stand ich bald wieder vor den nächsten Anstiegen. Mit 17% nicht ohne.

Immer wieder hoch...
Schlamm und Nässe
Als erstes Zwischenziel für eine Pause war in Schwarza vorgesehen. Was Warmes essen, im Trockenem sitzen und etwas aufwärmen. Das wäre was. Bis dahin lagen aber noch diverse Anstiege mit klebrigen Untergrund vor mir. Uff.

Trügerische Waldpiste
Oben angekommen ging es manchmal sogar ein wenig "flach" durch den Wald, aber dafür mußte ich die Reifen durch den aufgeweichten Boden pressen.

Gut geschafft auf dem Kulmturm
Da ich nun schon gut auf Höhe war und bevor es die ganzen Höhenmeter wieder nach Schwarza runter ging, hatte ich mir den letzten Anstieg bis zum Aussichtsturm auf dem Kulm auch noch gegeben. Das war auch die Gelegenheit, nochmal die Wetterlage zu klären. Den Turm kurzerhand bestiegen folgte die Ernüchterung.

Blick über das Saaletal - keine Besserung des Wetters in Aussicht!
Hier hatte ich auch nicht wirklich rosige Aussichten erwartet. Keine Erwartungen, keine Enttäuschungen und so, aber so ein wenig aufklarender Himmel wenigstens in der Ferne wäre schon mal was für das Gemüt. Nichts dergleichen.

Höhenmeter vernichten bis nach Schwarza
Schon nach ein paar Minuten auf dem Kulmturm hatte mich der Wind merklich ausgekühlt. Also fix wieder runter und auf flowigen Trails Richtung Schwarza.

Mittag in Bad Blankenburg
Nach der fluffigen Abfahrt kam so langsam ein Hüngerchen in mir auf. Ein Tütengericht irgendwo unterwegs auf einer zugigen Bank schnell reinzudrücken und dabei zu frösteln, kam mir jetzt nicht in den Sinn.  Bei dem nasskalten Wetter wollte ich mein Mittag im warmen machen. Punkt. Die nächste Möglichkeit für ein warmes Mittagessen sollte mir recht sein. Nachdem ich Schwarza nur über ein häßliches Industriegebiet tangiert hatte, bot sich in Bad Blankenburg direkt an der Hauptstraße ein Fleischerimbis an.

Mahlzeit - Schnitzel geht immer!
Tja und wenn ich schon die Wahl habe, dann fällt diese natürlich auf ein Schnitzel und schmückendem Beiwerk. Mit sich füllendem Magen und wärmenden Wohlgefühl konnte ich die bisherige und vor allem die noch zu fahrende Strecke abwägen. Unter den grottigen Bedingungen hatte ich bisher gerade mal 40km gemacht und nach Erfurt war es nochmal die gleiche Distanz. Hmm. 

Nun war es schon nach Zwei und es waren in etwa noch 4 Stunden bis zur Dämmerung. Rein theoretisch könnte ich die Strecke schaffen, aber bei dem bisherigen Streckenverlauf mußte ich mit allem rechnen. Gut durch gewärmt ging es wieder aufs Bike. Der Regen hatte zum Glück gerade eine Pause eingelegt. Wenigstens das.

Als Nachtisch noch was Süßes fürs Gemüt
Da ich noch keinen richtigen Nachtisch nach dem Schnitzel hatte, konnte ich gerade mal 2km weiter beim Bäcker nicht vorbei fahren. Das geht einfach nicht! ;-  >

Die Zeit saß mir im Nacken. Zwei Stück Kuchen hatte ich in Rekord verdächtiger Zeit verdrückt und mit einem Kaff runter gespült. Boaahhh. Das war eigentlich zu viel und hätte in der Menge nicht sein müssen. Aber ok, genug Energie sollte jetzt für die restlichen Kilometer und Anstiege zur Verfügung stehen, auch wenn die Wampe nun ganz schön gespannt hatte...

Noch entspannt auf dem Radweg Stadt auswärts
Zurück auf dem Track und mal wieder ein Stück über den Radweg, was meiner leichten Überfüllung ganz gelegen kam.

Schiebepassage übers Feld
Mit dem entspannten rollen wars aber auch schon schnell vorbei und es ging wieder heftig bergauf. Hier war mir die Aktualität der Datenbank von Bikemap erneut ein Rätsel. Wo ursprünglich der Weg entlang führte, standen jetzt Einfamilienhäuser. Ergo - nix mit hoch schlängeln; quer über die Wiese und hoch schieben. Fahren war bei 18% Steigung auf dem feuchten Untergrund schlichtweg nicht drin.

Schiebepassage auf Forstweg
Hier hatte ich schon meine Zweifel noch vor dem Einbrechen der Dunkelheit in Erfurt anzukommen, wenn es mit solchen Rampen weiter geht. Aus dem Schwarzatal mußte ich ja irgendwie raus, aber gleich so heftig war schon ne Ansage. Was das Vogtland kann, kann Thüringen schon lange!

Zwangspause auf Passhöhe - am Simplon liegt es nicht ;-  >
3 Kilometer und 250hm in den Beinen später konnte das Bike zumindest wieder gerade stehen, womit ich noch so meine Probleme hatte. Kurze Pause. Durchatmen und weiter. Die Zeit drückt!

Immer weiter hoch bei unverändertem Wetter
Die schlammigen Wege waren nichts neues mehr, aber eben wieder Arbeit. Es war nun schon halb fünf, nass und kalt. Hier oben pfiff zusätzlich noch der Wind. Alles in allem ganz schön bescheiden.

Blick ins Thüringische
Über Storchsdorf ging es dann fast alle zuvor schwer erarbeiteten Höhenmeter wieder runter.  Eine Wahl hatte ich nicht und beschloß, auf der Abfahrt noch mal ordentlich Welle zu machen und irgendwie Spaß zu haben.

Auf Asphalt wieder hoch - gewohnt knackig!
Hat ganz gut gefunzt, aber genauso war mir auch die nächste Rampe aus Solsdorf heraus bewußt und vor allem bekannt. So langsam kam ich wieder in die Gegend, wo ich mich sonst auch manchmal mit dem Bike rum treibe. Der Asphalt war nur ein kleiner Trost, denn oben hatten 20% Steigung auf mich gewartet. Ganz ohne mal abzusetzen war das heute nicht mehr drin. Stück für Stück halt, aber irgendwann war ich dann auch dort übern Berg.

Fast geschafft - Stausee Hohenfelden
Mit der Zeit im Nacken konnte ich mir keine Umwege über diverse Trails mehr leisten. Wollte ich auch nicht. Kurzer Beschluß: Auf dem kürzesten Weg nach Erfurt! das bedeutete aber auch, erst mal einige Kilometer im Landstraßen-Feierabendverkehr zu trotzen. Ab Dienstedt ging es dann auf eine meiner Hausrunden und auf Radwegen zurück in die Bratwursthauptstadt. Am Stausee Hohenfelden nochmal kurz durchatmen, bevor es dann über den letzten Berg nach Erfurt ging.

Fast zu Hause und ganz schön platt!
Ziemlich zerknittert und platt bin ich nach 84km und 1516hm doch noch vor der Dämmerung zu Hause angekommen. Punktlandung, Check, aber auch genug für den Tag!




Unterm Strich


Das war wirklich kein Zuckerschlecken obwohl eine Tour doch dem Genuß und der Entspannung dienen sollte. Ehrlich gesagt habe ich die Steigungen unterschätzt. Die über viele Kilometer klebrige und sumpfige Bodenbeschaffenheit haben noch mal ordentlich einen drauf gesetzt. Größtenteils war das Treten über Forst -und Waldwege richtig Arbeit bis zum Anschlag.  Oftmals stand das Bike selbst bergab ohne mein mittreten schon nach wenigen Metern, wenn es nicht gerade steil bergab ging. Der Boden war so sehr von der Feuchtigkeit des tauenden Schnee und den zusätzlichen Niederschlägen der letzten Tage gesättigt, daß er diese Wassermengen großteils gar nicht mehr aufnehmen konnte.
Das bescheidene Wetter hat sein übriges dazu getan. Permanent unter Grauem Himmel mit dem Regen im Nacken zu fahren, ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Trotz sonnigen Aussichten hat die Wettervorhersage in dieser Woche leider daneben gelegen
 

Die Route kann ich mit den teilweise verwaisten Wegen und kaum fahrbaren Anstiegen nicht empfehlen. Daher nur mal eine grobe Übersicht des Tourenverlaufes und dem Höhendiagramm. Zum Schluß hatte ich insgesamt 210km und 3561Hm an den Drei Tagen in den Beinen.


Eine Sommer, Sonne, Eierkuchen Tour sieht eben anders aus, aber wir haben ja noch März und gerade mal Frühlingsanfang. Bedeutet auch, das der Winter noch nicht wirklich vorbei sein muß und Wettermäßig noch alles drin ist. Letztes Jahr hatten wir Ende März nochmal einen kurzen Wintereinbruch auf unserer Rennsteigtour durch den Nebeltunnel und dieses Jahr war es eben der Regen.

Nunja, unterm Strich habe ich auch wieder ein paar Erfahrungen gesammelt, meine Grenzen besser einzuschätzen gelernt und auch etwas neue Ausrüstung getestet. So gesehen ist das Glas doch schon wieder halb voll :-  )